Ralf Schuler still loves patriarchy

GEM fing als Kampagne gegen den Sexismus in der Bild-Zeitung an, und so waren unsere ersten “Gesprächspartner” notwendigerweise auch die Redakteur*innen dieser Zeitung. Sexismus bekämpfen, das hat vor allem damit zu tun, auch die anzusprechen, die sexistische Inhalte erstellen, verbreiten und befürworten. Ralf Schuler, Anfang 2015 Ressortleitung Politik bei der Bild, war sehr eifrig bei der Sache, wenn es um die Verbreitung der sexitsichen Inhalte ging. Bezeichnend war vor allem die selbstverständliche Art und Weise, wie er diesen Sexismus verteidigte.
Im Laufe unserer Arbeit konnten wir medialen Sexismus grob in vier Kategorien einsortieren, die wir als Probleme in unserem Forderungskatalog näher erklären.
Ralf Schuler hat in seinen Tweets Frauen aus der Unterhaltungsbranche als “Die Damen” oder “diese Frauen“ tituliert, eben doch “selbst schuld” (siehe Screenshots) sind, wenn sie “sich hemmungslos” vermarkten. Ein Statement, das tief blicken lässt, da es zum einen die Berichterstattung der Bild über diese Frauen ganz klar als etwas für sie negatives und nachteiliges definiert. Zum anderen zugibt, dass dieses negative Resultat die alleinige Schuld “dieser Frauen” ist, die das selbst zu verantworten haben.

Diese Haltung thematisierten wir bei ihm, seine Haltung blieb stur: Peinlich sei nicht seine Position, peinlich sei es ”sich so zu vermarkten”.  Die Haltung, Frauen seien selbst schuld an dieser Art von Berichterstattung, wiederholt er des öfteren.

Wir ließen in unserer Ansprache nicht locker, und so schrieb er im April 2015 Kristina Lunz, Gründerin von StopBildSexism, einen Brief um seines Erachtens den Sachverhalt “zu klären”.

Nach Angaben von Ralf Schuler ist die Bild natürlich neutral und Frauen haben doch eigentlich auch alle möglichen Chancen. Nur scheint es eben so, dass Frauen* eben auch Sachen machen, die “typisch Frau” sind. Nach Schuler entscheiden sich Frauen eben ganz bewusst für ein Start-up das eben Schnittblumen verkauft, und wählen auch aus reinem Interesse weniger MINT-Fächern (also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) an der Universität, weil das eben die Natur der Frau ist. Klar, dass sie dann weniger verdienen!!

Im Grunde ist alles ganz einfach zu erklären. Biologie eben!

Mitte Juli 2015 verfasste Kristina eine Antwort, in der sie Ralf Schuler auf die Lebensrealitäten von Frauen hinwies und seine biologistischen Pseudo-wissenschaftlichen Standpunkte entlarvte.

Diesen Brief ließ Ralf Schuler unkommentiert. An seiner Berichterstattung änderte er weiterhin nichts. Über Vergewaltigung schrieb er weiterhin mit Schlagzeilen wie “Sex-Täter” oder “Sex-Skandal”

Ralf Schuler hat an seiner Berichterstattung in den letzten drei Jahren nichts geändert, mehr noch, sein Frauenhass ist noch stärker nach vorne getreten. Das erkennt man vor allem daran, dass er seine sexistischen und antifeministischen Standpunkte auch dann verteidigt, wenn sogar die Bild-Redaktion auf unsere Anfrage hin eine Schlagzeile korrigiert.

Die Bild-Redaktion postete am 5. Oktober 2018 einen Bericht über die Noberpreisträger*innen Nadia Murad und Denis Mukwege. Die Schlagzeile?  “Friedensnobelpreis für ISIS-Sexsklavin und Arzt”. “Sex-Sklavin” ist an Fetischisierung kaum zu übertreffen. Ein Porno-Begriff, um die Vergewaltigung einer Frau zur Unterhaltung zu machen und auszuschlachten. Schuler twitterte die Schlagzeile – und antwortete auch wie gewohnt uneinsichtig auf unseren Kommentar.

Die Redaktion korrrigierte währenddessen die Schlagzeile zu “Nadia Murad und Denis Mukwege erhalten Friedensnobelpreis.” Ralf Schulers Reaktion darauf zeigt aber wieder deutlich, dass die vorherige Schlagzeile für ihn kein Versehen war. Er twitterte die neue Schlagzeile mit einem eigenen Tweet, wobei er erneut den alten Titel verwendete: “Friedensnobelpreis für Ex-ISIS- Sexsklavin und Arzt.”

Ralf Schuler zeigt, dass sein Sexismus und Anti-Feminismus eine bewusste Entscheidung ist, die er auch nach Ansprache bewusst verteidigt. Er ist eine sexitische und antifeministische Haltung ist in seiner Machtposition ein Hindernis für eine gleichberechtigte Gesellschaft. Seine redaktionelle Arbeit in der Bild prägt dabei Millionen von Menschen bewusst mit seiner rückständigen Haltung. Nach erfolgloser Korrespondenz seit 2015, erlauben wir uns daher Ralf Schuler in der “Still Loving patriarchy” als Verteidiger des Patriarchats, und damit als großes Hindernis auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Medienwelt aufzunehmen.

 

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