Julian Reichelt still loves patriarchy

Mit unserer neuen Kampagne #UnfollowPatriarchy geben wir dem Sexismus in den Medien ein Gesicht. Auf www.unfollowpatriarchy.com werden sexistische und patriarchale Entscheidungsträger*innen gesammelt. Denn jeder sexistischer Beitrag ist ein Angriff auf den Feminismus. Wir nehmen Sexismus persönlich!

Was ist das sexistische Schrabbelblatt Deutschlands? Richtig die BILD! Kritiker*innen könnten meinen, wir haben uns an an der Redaktion festgebissen. Stimmt auch, denn unsere mehrjährige Kampagnenarbeit mit #StopBildSexism hat uns nur noch einmal verdeutlicht, dass bei der BILD Journalist*innen sitzen, die ganz bewusst Sexismus einsetzen und diesen jeden Tag online und in Print platzieren! Ganz vorne mit dabei ist Julian Reichelt- der alleinige Chefredakteur für Print und Digitales. Für unser Projekt “Still <3 patriarchy” haben wir einen sehr genauen Fahrplan: Was muss passieren, um einen Platz auf der Website zu bekommen? Ein sexistisches Bild hier, ein schiefes Wort da?  Nein, wir wollen Journalist*innen nicht bloßstellen – Fehler machen wir alle, und im besten Fall lernen wir daraus. Wir wollen die Journalist*innen zur Verantwortung ziehen, die Sexismus mit System in ihrer Arbeit einsetzen. Daran orientieren wir uns an unserem öffentlichen Forderungspaket.

Julian Reichelt trägt die Verantwortung, dass in der BILD sexualisierte Gewalt regelmäßig verharmlost wird. Selbst bei Straftaten, wie Vergewaltigung und Missbrauch gilt “Sexismus sells”. Dabei denkt die Redaktion sich immer wieder Wortschöpfungen wie “Sex-Attacke”, “Sex-Mord” oder “Sex-Gangster” aus, sie sollen Spannung erzeugen und ziemlich sicher auch die Klickzahlen erhöhen. Nun wissen wir aber, dass eine Vergewaltigung bestimmt kein Sex ist. Hier wird ganz klar ein Gewaltverbrechen verharmlost.

“Ein Bühnenstück […] in der eine Handlung durch die beteiligten Personen auf der Bühne dargestellt wird” oder ein “Schauspiel mit tragischem Ausgang”, so definiert der Duden das Wort “Drama”. Wenn bei der Bild von einem “Drama” gesprochen wird, berichtet die Redaktion eigentlich über Femizide, Partnerschaftsgewalt, oder über toxische Männlichkeit. Das Wort “Drama” impliziert zum einen die Einmaligkeit der Tat, zum anderen erzeugt es aber auch den Eindruck, es handele sich lediglich um einen traurigen Einzelfall. Dabei steckt in Wirklichkeit systematische Gewalt dahinter. 2016 wurden 158 Frauen durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner getötet, 211 überlebten den Mordversuch oder den versuchten Totschlag. Die Bild sammelt indes ihre “Familien-Dramen” in einer eigenen Rubrik.

Es ist nun aber nicht so, dass die BILD-Redakteur*innen unter Julian Reichelt glauben, ein Mord wäre immer nur ein “Schauspiel mit tragischem Ausgang”. Denn wenn über einen Mord in einer muslimischen Familie berichtet wird, werden sofort ganz andere Worte gefunden. Mit Rekordgeschwindigkeit wird das Wort “Ehrenmord” in die Tastatur gehauen – ein Begriff der alle Taten einschließt, die mit toxischer Männlichkeit tun haben. Gewalt gegen Frauen ist für die Bild also erst dann ein Problem, wenn eine Religion erkennbar ist. Die Tatsache, dass diese Straftaten immer einem falschen Männlichkeitsbild entspringen und es insgesamt ein systemisches, gesamtgesellschaftliches Problem ist, wird damit total verschleiert. Viel mehr wird rassistisch gehetzt und das im großen Stil.

Jetzt kommen wir zu der Lieblingsdisziplin der BILD: Sexualisierung und die Herabwürdigung von Frauen. Frauen werden ständig auf ihr Äußeres reduziert und sexualisiert. Dies geschieht oft über Paparazzi, die sie leicht bekleidet oder in verletzlichen Positionen zeigen. Solche Fotos spiegeln die weit verbreitete problematische Annahme wieder, dass die Gesellschaft ein Recht darauf hat die Körper dieser Frauen – auch halbnackt – zu sehen und zu bewerten. Die BILD spielt konkret mit den Fotos und kommentiert einzelne Körperteile in ihren Überschriften.

Diese gezeigten Beispiele haben wir hundertfach von der BILD. Im Rahmen unserer Kampagne #StopBildSexism konfrontieren wir die Redaktion seit vier Jahren mit ihrer sexistischen Berichterstattung – vergebens wie wir alle wissen. Außer abfällige Bemerkungen, Beleidigungen und fadenscheinige Ausreden kam nichts bei uns an.

Julian Reichelt, der alleinige Chefredakteur, sieht sich selbst als unfehlbaren Journalisten. Er gibt kaum Fehler zu. Die Scheinheiligkeit vom #miomiogate erinnert an den erfundenen „Sex-Mob“ in Frankfurt. BILD hatte die Geschichte auch damals dankbar übernommen, sie ebenso ohne Überprüfung verbreitet und somit rechte Hetze legitimiert. Sexismus hat immer mit Macht zu tun. Und bei der BILD zählt nach wie vor Macht, Kontrolle und Hierarchien – die journalistische Ausgeburt des Patriarchats sozusagen. Mit ganz viel Sexismus, kombiniert mit einer Prise rechtskonservativer Polemik und Hetze: So fährt Julian Reichelt seinen Kampagnenjournalismus und hat einen Platz auf www.unfollowpatriarchy.com mehr als verdient.

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