Bodyshaming und die Abwertung und Pathologisierung von Körpern außerhalb der medial repräsentierten „Norm – das Oktober Medienscreening

Die sommerliche Hitze ist Vergangenheit, der erste Schnee ist im Anmarsch – doch all das hält die großen deutschen Zeitungen nicht davon ab, vor allem (halb-)nackte, junge, weiße, schlanke cis-Frauen (und Männer) abzubilden. Auch im Oktober durften wir  wieder Zeugen* unzähliger sexistischer Totalausfälle medialer Berichterstattung werden. Hier ein paar „Highlights“ des Oktober-Medienscreenings.

Kontext? Fehlanzeige!

Ein inhaltlicher Bezug ist so gut wie nie gegeben. Frauenkörper dienen als kontextbefreite Projektionsfläche zur Illustration von Gesundheits- und Lebenstipps aller Art. Wobei – nicht immer sucht man den Kontext erfolglos. Oft genug scheinen sich BILD und Co. berufen zu fühlen, sich als „Ratgeber“ aufzuspielen und dabei die absurdesten Geschlechterklischees zu bedienen. Dabei nimmt Bodyshaming, die Abwertung und Pathologisierung von Körpern außerhalb der medial repräsentierten „Norm“, immer mehr Raum in diesen Medien ein – um sie dann mit vollkommen schwachsinnigen „Beauty-Tipps“ zu flankieren:

Oktoberfest, Welt-Konfettitag – all das eignet sich scheinbar großartig als Vorwand, um nackte gesichtslose Frauen*körper abzubilden.

Die BILD listet Frauen*  dabei gerne als Reise-Accessoires – neben Sandstränden und Bier. Geht’s noch?

Neben der Repräsentation von Frauen* als „Deko“ scheinen die medialen Ergüsse vor allem ein Ziel zu verfolgen: Die (vermeintliche) Optimierung von Körpern. Fokus gibt Abnehmtipps, natürlich illustriert mit – was sonst – Frauen*,


… und den allseits bekannten Stockfotos der jungen, weißen, schlanken, lachenden, Salat essenden cis-Frau*!

BILD schließt sich da natürlich an und stellt die wirklich wichtigen Fragen:

Wenn alles nichts hilft, müssen natürlich andere „Beauty-Tipps“ für Männer* und Frauen* her – an Bodyshaming und Oberflächlichkeit nicht zu überbieten. Man müsste lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Auch Männer* trifft es derzeit immer öfter!


Hübsch aber doof

Doch wenden wir uns ab von Äußerlichkeiten. Es gibt ja noch viele andere Bereiche, in den Frauen* laut BILD und Co. Rat brauchen – oder ist es Zufall, dass diese überall zur Illustration herhalten müssen?

Beim Autofahren…

In Geldfragen …

Und natürlich unter der Dusche.

All das ist aber irrelevant, wenn es um die wirklich wichtige Frage geht, über die sich Frauen* laut WELT den Kopf zerbrechen…

Klischees, die einen fassungslos zurücklassen

In der Presse dominiert vor allem die junge, schlanke cis*Frau, die als kontextlose, bzw. Stereotype reproduzierende “Dekoration” inszeniert wird. Entspricht sie nicht der optischen “Norm”, wird sie entsprechend abgewertet und mit ungefragten “guten Ratschlägen” bombardiert. Zum anderen ist da der “gestählte” weiße cis-Mann*, der immer häufiger auch auf besonders primitive Weise zur Zielscheibe medialer Sexismus-Ausfälle wird.

Derartige Klischees, die wohl eigentlich umfassend als überwunden gelten sollten, sorgen zwar sicher bei einigen Menschen für Lacher. Sie suggerieren jedoch ein scheinbar rein binäres, auf “männlichen” und “weiblichen” Verhaltensweisen und Äußerlichkeiten basierendes Geschlechterverhältnis. Die Realität ist aber divers – und Medien haben die Verantwortung, dies auch abzubilden! Andernfalls rückt die mediale Darstellung veraltete “Muster” ins Zentrum, (re-)internalisiert sie und forciert Sexismus/ Rassismus und dementsprechende Hierarchisierungen.

 

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