Der hysterische Mann

Heute erscheint in der ZEIT ein Artikel, getitelt “Der bedrohte Mann.” Der Autor, Jens Jessen, scheint sehr aufgebracht. Die Kernaussage ist schwer zu greifen, aber wohl folgende: Die armen Männer wollen ja den Frauen* helfen, werden aber alle unter Generalverdacht gestellt und damit mundtot gemacht.

Zum einen ist es so, dass egal was Männer (ja, alle!) machen, es nie genug ist. Dabei fordern Feminist*innen immer mehr, prangern immer mehr an. Es ist ein “sich selbst immunisierendes System nach marxistisch-leninistischem Vorbild entstanden,” so schreibt der Autor, das gar keine Kritik mehr zulässt. Es folgt eine Verdrehung von Debatten bezüglich victim blaming, manspreading, dem Fall Gina Lisa Lohfink, und ach, irgendwie alles. Eine Spirale die sich immer weiter hochdreht entsteht. Am Ende wird gefolgert: Der Mann, er ist ein bedrohtes Wesen. Wir wollen euch nicht den ganzen Text antun. Hier aber ein paar Perlen, um das Ausmaß der Panik  und auch der Hybris des Autors für euch greifbar zu machen: 

Eine Chronik der Panik

Eine steile These wie wir finden, ist dass (weiße-cis) Männer nun wissen wie es verfolgten Muslim*innen geht, mit diesen ganzen Generalverdachten, da ist sich der Autor jetzt sicher: “Nur sehr Tapfere erkennen darin eine heilsame Lektion, die es allen Männern erlaubt, die Diskriminierungserfahrung der Muslime zu machen: Was einige getan haben, wird allen zur Last gelegt. Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger.”

Weiter folgert der Autor, dass Feminst*innen alles radikale Anhänger*innen des totalitären Feminismus sind und alle Männer zerstören wollen:  Anne Wizorek ist radikal, weil sie mal gesagt hat, jaja, das Patriarchat an sich ist das Problem. Was der Autor daraus schließt ist, dass “Feministinnen an den Sieg des weiblichen Geschlechts über seinen Erbfeind, den Mann [glauben]” Oha!

Es ist traurig, aber für den Autor ebenso sehr klar: “Männer haben keinen Anspruch auf Gerechtigkeit”. Die Unterstützer*innen von Gina Lisa Lohfink hätten damals schon die Debatte um “nein heißt nein” verdreht. Wer kann denn heute garantieren dass nicht das Leben eines armen Mannes wegen Falschanschuldigungen zerstört wird? Der Autor fühlt sich allezeit und von allen Seiten bedroht, die Gefahr lauert überall: “Wir können jederzeit denunziert werden, auch ohne den kleinsten Vorfall. Wenn nur eine Anklägerin unerkannt und aus dem Off spricht und ihre Behauptung zugleich das Urteil ist, gegen das es keine Berufung gibt, wird die Wahrheitsfrage unerheblich.” Ja, er und Trump können einen Club aufmachen.

Bei diesem Ausmaß der Bedrohung dem sich der Autor ausgesetzt fühlt, wollen wir doch ein paar klare Worte an ihn richten.

 

Lieber Jens


Lieber Jens, nicht alle Männer fühlen sich bedroht, weil jetzt auch andere Menschen immer mehr die Möglichkeit haben ihre Meinung nicht nur zu äußern, sondern zu leben. Das ist schade für dich wenn du dich in deinem Ausdruck zensiert fühlst, weil du, ach je, nicht mehr so leichtherzig die gleichen Scherze raushauen kannst wie früher, die ja “nicht so gemeint” waren. Du dir vielleicht doch überlegen musst, wo und wann du wen anfasst. Auch nicht alle Männer, lieber Jens, wollen immer von dir berührt werden, auch wenn du dir “nichts dabei gedacht hast”. Falls dein flirten so schrecklich ist, dass du eine Klage fürchten musst, nun denn, das ist echt ein Problem, aber halt deins.

Ich verstehe die Panik aber. Sie kommt daher, dass eben jetzt die Erkenntnis einsetzt, dass man über jeden Scheiss nachdenken muss, den man macht. Willkommen in der Erwachsenenwelt. Das, was dich gerade panisch werden lässt ist dieses Unbehagen, weil die Welt auf einmal nicht mehr wie deine Spielwiese erscheint, in der du halt machst was du willst, boys will be boys und so, und das ist dann auch ok so. Das ist sicherlich viel auf einmal, wenn man das nicht sein ganzes Leben lang lernen musste. Aber nach einer Weile, ich verspreche es dir, setzt ein Automatismus ein. Das nennt sich dann erwachsen werden.

Lieber Jens, ich glaube kaum dass ich das mal sagen muss, aber: Sei mal nicht so hysterisch.

Viele Grüße
Penelope Kemekenidou
Totalitäre Feministin

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  • Bettina

    Liebe Penelope,

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Damit bringst du all deine Verachtung gegenüber dem Mann zum Ausdruck, machst ihn lächerlich und stellst dich über ihn.
    Und Trotzdem fühlst du dich als Frau als Opfer.
    Siehst du, dass du genauso mit ihm bist wie das, was du anprangerst.
    Du drehst den Spieß um nur damit erschafft man keinen Frieden.

    Und was Nützt es dir?

    Liebe Grüße
    Bettina

    • genderequalitymedia

      Liebe Bettina, da ist etwas wie vom Inhalt des Beitrags an dir vorbei, schade. Deswegen macht es auch nicht wirklich Sinn hier zu diskutieren, da wir wohl hier eine emotionale, statt eine sachliche führen würden. Aber vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast bei uns reinzuschauen. 🙂

  • Worf

    Komisch, immer wenn Männer über ihre Gefühle reden, macht man sich über sie lustig, auch diejenigen die sagen das die Probleme von Männer darin liegen das sie nicht über ihre Gefühle reden.

    #Metoo hat Konsequenzen, dass das nicht nur welche sind die den Anheizerinnen gefallen hätte man voraussehen können.

    https://nypost.com/2018/02/03/a-male-backlash-against-metoo-is-brewing/

    • genderequalitymedia

      Kleiner Tipp: Das bei deinem link verwendete stockphoto erklärt ziemlich genau warum es genau darum geht: Dass bestimmte Männer erst dann Sensibilität fordern, wenn es um die eigenen Gefühle geht, und nur dann. Das nennt man dann aber Angst vor Privilegienverlust und nicht Gefühle im Sinn von Empathie. Again, bitte die Bildwahl beachten. Dann reden wir gerne weiter darüber wer hier wen nicht respektiert.

  • FN

    Liebe Penelope,
    Danke für diesen Beitrag! Ich dachte gestern auch, ich falle aus allen Wolken, als ich den Aufmacher gesehen habe. Es ist halt anstrengend sich mit seinem eigenen Privileg auseinanderzusetzen, da hat der Jens bestimmt einfach keine Lust drauf und poltert durch die Gegend. Schlimm finde ich allerdings, dass die ZEIT solches antifeministisches Geschwurbel als Aufmacher platziert. Um so wichtiger jetzt Flagge zu zeigen.
    Es grüßt,
    Ein besorgter „Mann“

    • genderequalitymedia

      Danke lieber Felix. 🙂 ja, was macht man nicht alles für ein bisschen Aufmerksamkeit. Theresa Bücker hat auf twitter schon angemerkt dass das Thema alle Jahre wieder kommt [https://twitter.com/fraeulein_tessa/status/981790341698392065]. Was eben genau, nichts daran ändert dass es echt seltsame Gedankengänge legitimiert. Nun ja. Gottseidank denken ja nicht alle Männer wie der Autor, auch wenn der das kaum glauben mag.

  • Kai V

    nicht alle Männer fühlen sich bedroht,
    und nicht alle Frauen stehen hinterm dem Feminismus… Ups. Es geht doch nicht darum das man jetzt die ganzen Scherze nicht machen kann, sondern darum das solche Themen, wie man auf Twitter sieht, nicht diskutiert werden. Feminismus schreit immer nach Vielfalt, nach diversity etc. pp. Faktencheckt, wie viele Männer und wie viele Trennungsväter haben zum Wechselmodell im Bundestag gesprochen? Ein Mann, kein Trennungsvater… Das wäre auch schon zu viel diversity für einen Feminismus der Argumentationslos immer mehr Rechte fordert.

    Wir wissen heute das Männer bei häuslicher Gewalt genau so oft Betroffene sind wie Frauen. Doch gibt es Kampagnen? Nein, wir machen weiter mit toxischer Männlichkeit und der Frau als Opfer, die Bundesregierung stellt alle paar Jahre eine Stat vor in der Gewalt von Männern gegen Frauen erfasst wird und macht damit gross Werbung. Kinder, die ja die schwächsten in der Kette sind haben nicht mal einen solchen Bericht, aus gutem Grund, Frauen schlagen Kiner häufiger… Nur mal eines von vielen Beispielen.
    https://www.insuedthueringen.de/region/thueringen/thuefwthuedeu/In-Thueringen-mehr-Maenner-als-Frauen-Opfer-haeuslicher-Gewalt;art83467,5921189

    Gleiches gilt für den Fall Gina Lisa, es werden Zahlen von Falschbeschuldigungen verbreitet die angeblich bei 3% liegen. Das ist statistisch so nicht haltbar, aber man muss den Frauen glauben, warum sollte sie sowas auch erfinden? JA warum sollte sie es nicht erfinden?

    Es ist nicht der Untergang der Männer, sondern das rütteln an Aufklärung und Rechtsstaatlichkeitsprinzip das uns mehr Sorgen machen sollte…

    • Irmi

      Lieber Kai,
      bist du der Bruder von Jens?
      Wie dem auch sei;
      wir verstehen, dass viele Männer, denen die Souveränität zur Solidarität mit gepeinigten Frauen und Mädchen fehlt, inzwischen immer.stärker um ihre maskulinistischen Privilegien fürchten.
      Dennoch ist die Unseriositöt deiner Argumentation leicht durchschaubar. Auch die Dir missfallenden Statistiken negierst du willkürlich kurzerhand. Leider werden sie dadurch nicht irrelevant – verständlicherweise jedoch ärgerlich für Maskulinisten wie dich…zugegeben.
      Dein Faktencheckbeispiel bzgl. des WMs ist vernachlössigbar, es sei denn du forderst hier eine Männerquote. Weißt du beispielsweise wieviele (bezroffene) Prostituierte im BT zum Thema „Prostituiertenschutzgesetz“ gesprochen haben? Keine. Und von diesen Beispielen gibt es in Frauen- Angelegenheiten massenweise. Nun, da es eine Männer -Gruppe betrifft, ist das Geheule laut. Da siehst du mal wie das ist.
      Wenn es auch nur ansatzweise zutreffen würde, das.Männer von häuslicher Gewalt….etc. (ich lach mich tot).., dann hätte es schon hunderte von Kampagnen gegeben, denn Männer stehen viel früher für Ihre Rechte ein als Frauen.
      Faktencheck:
      0.07% (!) aller angezeigten Vergewaltigungen führen zu einer Verurteilung des Täters.
      Dein Kommentar strotzt von tendenziösen Falschangaben.
      Fazit: das Rütteln an Aufklärung wie MeToo ist das massive Bestreben sehr vieler Menschen. Und ich gebe dir Recht: dies sollte uns ernste Sorgen machen. Ebenso wie das Rütteln an der Rechtsstaatlichkeit unseres Landes. Allerdings in ganz anderen Themenbereichen als die von dir benannten. LG

    • Robert

      Herr Kai V, bei der von Ihnen erwähnten Untersuchung geht es laut Zeitungsartikel um „versuchte und vollendete Tötungsdelikte im sozialen Nahraum“. Hier sind laut Artikel zwar so viele Männer wie Frauen die Opfer, aber dazu zählen natürlich die männlichen Opfer von männlichen Tätern. Sie scheinen zu glauben, dass ein männliches Opfer im sozialen Nahraum nur von einer Frau bedroht sein könnte? Ganz im Gegenteil. Die meisten männlichen Opfer im Nahbereich sind Opfer männlicher Täter, ob bei der homosexuellen Lebensgemeinschaft, ob bei Taten von Vätern gegen Söhne oder Söhnen gegen Väter, Brüder gegen Brüder usw. Das alles fällt unter männliche Opfer, aber auch unter männliche Täter. Bitte verwechseln Sie nicht die Opfer- mit der Täterstatistik. Ich bin gespannt, ob Sie eine Statistik über das Geschlecht der Täter beim Mord haben? Ich wette, dass es dort Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt.

  • Wolfgang

    Es ist offensichtlich, dass Jens Jessen ein linksliberaler Feminist ist. Der als Mensch alle Sympathie gebildeter und kultivierter Menschen verdient, immer schon. Und dass er genau deshalb mit Wut auf Zeitströmungen reagiert, die drohen, unnötig, aggressiv, übergriffig, unfair und aufgeregt das übergeordnete gemeinsame Ziel der vollkommenen und friedlichen Gleichstellung aller Gender zu gefährden. Ja, der Lächerlichkeit preiszugeben. Bitte verarschen Sie uns nun einfach gerne weiter …..

  • Wanted: Ein Aufruf für ein schwules #MeToo – Gender Equality Media e.V.

    […] nur wenige werden leugnen können, dass erst #MeToo einen so großen Stein ins Rollen gebracht hat, dass auch kleine Männer, die sich ganz groß fühlen, jetzt Angst vor dem Feminismus […]

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