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	<title>Print &#8211; Gender Equality Media e.V.</title>
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	<description>Gegen medialen Sexismus</description>
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		<title>Offener Brief: Der Kopf von Reichelt reicht uns nicht!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2021 11:25:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[#unfollowpatriarchy]]></category>
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					<description><![CDATA[Sexistische Berichterstattung, Machtmissbrauch und Diskriminierungen in Redaktionen sind keine Einzelfälle. Die Recherchen deutscher Investigativ-Journalist*innen sowie die jüngsten Berichte der „New York Times“ brachten den „Bild“-Chef und Ober-Macker Julian Reichelt zu Fall. Doch das Problem hört hier nicht auf: Männer schützen Männer &#8211; immer wieder! Das alles ist viel größer, dahinter steckt ein System. Sexismus in den Redaktionen und Berichterstattung fängt &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Sexistische Berichterstattung, Machtmissbrauch und Diskriminierungen in Redaktionen sind keine Einzelfälle. Die <a style="color: #000000;" href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bild-chef-julian-reichelt-warum-er-gehen-musste-a-3a205fa3-9967-4803-8a32-c47e8a0ad227"><span style="color: #ff00ff;">Recherchen deutscher Investigativ-Journalist*innen</span></a> sowie die jüngsten <a style="color: #000000;" href="https://www.nytimes.com/2021/10/17/business/media/axel-springer-bild-julian-reichelt.html"><span style="color: #ff00ff;">Berichte der „New York Times“</span></a> brachten den „Bild“-Chef und Ober-Macker Julian Reichelt zu Fall. Doch das Problem hört hier nicht auf: Männer schützen Männer &#8211; immer wieder! Das alles ist viel größer, dahinter steckt ein System. Sexismus in den Redaktionen und Berichterstattung fängt bei Lokalzeitungen an und hört bei der BILD auf. Das muss sich ändern!<span id="more-1585"></span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Gender Equality Media veröffentlicht <span style="color: #ff00ff;"><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_.pdf" target="_blank" rel="noopener">Offenen Brief</a> </span>an deutsche Redaktionen und Verlage</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">In Redaktionsrichtlinien, Leitbildern oder Visionen sprechen sich fast alle deutschen Redaktionen für die Förderung von Diversität und den Abbau von Diskriminierung und Sexismus aus. Durch unsere jahrelange Arbeit, unsere wöchentlichen Medienscreenings und in direkten Gesprächen mit Journalist*innen und Medienschaffenden sowie auf Grundlage unserer <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Ergebnisse-Umfrrage-Bericherstattung-Gewalt-gegen-Frauen-1.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff00ff;">nicht-repräsentativen Umfrage</span></a> sind wir jedoch zu folgenden Beobachtungen gelangt:</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>1. Strukturell-patriarchale Probleme werden nicht benannt und eingeordnet.<br />
2. Die Zusammensetzung der Führungsebene und Redaktionen bildet nicht unsere Gesellschaft in all ihren Facetten ab.<br />
3. Freiheit und Neutralität kann im Hinblick von wirtschaftlichen Interessen nicht sichergestellt werden.</strong></span></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-1611 alignleft" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-300x300.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-1024x1024.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-150x150.jpg 150w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-768x768.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1.jpg 1080w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p><span style="color: #000000;">Faktenbasierter, qualitativer und freier Journalismus sind höchste Güter unserer demokratischen Gesellschaft. Der Einfluss von Medien und die damit einhergehende Verantwortung ist stärker denn je. ​Aber genau diese Verantwortung müssen Medien, Redaktionen und Journalist*innen auch wahrnehmen. In einem <span style="color: #ff00ff;"><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_-1.pdf" target="_blank" rel="noopener">Offenen </a><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_-2.pdf" target="_blank" rel="noopener">Brief</a></span> fordern wir deutsche Redaktionen auf, Stellung zu beziehen, im Sinne der Istanbul-Konvention zu handeln und systematische Diskriminierung jeglicher Art (durch transparente, nachverfolgbare Maßnahmen) abzubauen. Medien sind Teil und Lösung des Problems: Sie tragen einen Großteil zur Meinungsbildung bei und haben somit auch Verantwortung. Sie tragen einen Großteil zur Meinungsbildung bei und müssen entsprechend verantwortungsbewusst berichten. Dazu gehört auch, systemische Gewalt gegen Frauen in der Berichterstattung entsprechend einzuordnen. Nur wenn sie das tun und die Gewalt nicht verharmlosen, sondern als das benennen, was sie ist, können sie Verbündete sein. Hier: <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_-2.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff00ff;">Der Offene Brief zum Download.</span> </a></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Krasse Umfrageergebnisse bestätigen unsere Arbeit</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">In einer <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Ergebnisse-Umfrrage-Bericherstattung-Gewalt-gegen-Frauen-1.pdf"><span style="color: #ff00ff;">nicht-repäsentativen Umfrage</span></a> haben wir Medienkonsument*innen zur deutschen Berichterstattung zum Thema Gewalt gegen Frauen befragt. Die Ergebnisse sind sehr eindeutig: 0 Prozent der Befragten finden die Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen in Deutschland aussreichend. Auch die generelle Thematisierung und Einordnung von Gewalt gegen Frauen bemängeln rund 83 Prozent (61% eher Nein / 22% Nein) der Konsument*innen. Bei der Frage &#8222;Welche Themen im Bereich des intersektionalen Feminismus zu selten in den deutschen Medien thematisiert werden&#8220;, waren sich die Befragten auch einig. Nur um einige zu nennen: Femizide/Feminizide, Verknüpfung von Sexismus und Rassismus, Ableismus, Kapitalismuskritik, LGBTQ*-Feindlichkeit.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Die Berichterstattung von Gewalt gegen Frauen muss von allen Medien priorisiert und eingeordnet werden. Wenn Frauen umgebracht werden und/ oder Gewalt erfahren ist das kein Einzelfall oder ein Versehen, dahinter steckt ein patriarchales System. In unserem </strong></span><span style="color: #ff00ff;"><strong><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_.pdf">Offenen Brief</a></strong></span><span style="color: #000000;"><strong> fordern wir daher alle Redaktionen auf: Stellt den Kampf gegen Gewalt an Frauen an höchste Stelle.</strong></span></p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-1614 size-large" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-1024x1024.jpg" alt="" width="1024" height="1024" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-1024x1024.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-300x300.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-150x150.jpg 150w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-768x768.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
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		<title>Die Presse feiert sich selbst &#8211; wir feiern lieber die Streetart-Szene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jan 2019 17:24:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#unfollowpatriarchy]]></category>
		<category><![CDATA[Activism]]></category>
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					<description><![CDATA[Was für ein Wochenende! Künstler*innen haben in ganz Berlin einfach mal ein paar Plakate ausgetauscht. Mit einfachen Headlines wurde die Scheinheiligkeit der BILD-Zeitung ziemlich einfach enttarnt. Passender konnte der Zeitpunkt der Aktion gar nicht sein. Dieses Wochenende feierte sich die Presse auf ihrem jährlichen Presseball in Berlin selbst – wir feiern lieber die Künstler*innen und die Adbusting-Aktion! Denn in unseren &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><i>Was für ein Wochenende! Künstler*innen haben in ganz Berlin einfach mal ein paar Plakate ausgetauscht. Mit einfachen Headlines wurde die Scheinheiligkeit der BILD-Zeitung ziemlich einfach enttarnt.</i></strong><span id="more-1109"></span></p>

<a href='https://genderequalitymedia.org/adbusting/img_0337/'><img decoding="async" width="300" height="225" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/01/IMG_0337-300x225.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/01/IMG_0337-300x225.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/01/IMG_0337-768x576.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/01/IMG_0337-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
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<p>Passender konnte der Zeitpunkt der Aktion gar nicht sein. Dieses Wochenende feierte sich die Presse auf ihrem jährlichen Presseball in Berlin selbst – wir feiern lieber die Künstler*innen und die Adbusting-Aktion! Denn in unseren Augen haben die großen Verlagshäuser gerade in Sachen Geschlechtergerechtigkeit nicht viel zu feiern, das beweisen auch unsere <a href="https://genderequalitymedia.org/heisse-feger-fette-kugeln-wie-weihnachten-patriarchat-und-kapitalismus-zusammenhaengen-unser-medienscreening-dezember/">täglichen Medienscreenings</a>. Täglich wird Gewalt an Frauen* verharmlost, wird die Lebensleistung von Frauen* systematisch entnannt, werden Frauen* als Lustobjekte dargestellt und auf ihre Körper reduziert. Besonders auffällig dabei: die BILD-Zeitung. Die auflagenstärkste Zeitung Europas platziert Sexismus täglich in Print und online. Das nackte BILD-Girl, für dessen Abschaffung sich auch unser Kampagnenvorläufer #StopBildSexism eingesetzt hat, spielt inzwischen zweite Geige. Trotzdem ist mit dem Sexismus nicht Schluss, die Redaktion um Julian Reichelt platziert täglich Sexismus in dem Boulevardblatt. Deshalb freuen wir uns auch besonders, dass es bei der Adbusting-Aktion die BILD erwischt hat! Insbesondere freut es uns, dass es noch mehr Menschen gibt, die von sexistischen Medien ebenso genervt sind wie wir – und das sollten die großen Verlagshäuser dieses Landes auch endlich verstehen lernen.</p>
<p>Und nein, liebe Kritiker*innen, es geht uns dabei nicht um Zensur.<a href="https://genderequalitymedia.org/heisse-feger-fette-kugeln-wie-weihnachten-patriarchat-und-kapitalismus-zusammenhaengen-unser-medienscreening-dezember/"> Im Gegenteil, wir wollen, dass strukturelle Benachteiligungen von Frauen* und queeren Menschen genauso thematisiert wird, wie Gewalt gegen Frauen*.</a> Was wir wollen, ist die Welt nicht mehr aus den Augen von Sexist*innen sehen. Wir wollen eine vielfältige Berichterstattung, die alle Menschen mitdenkt und niemanden diskriminiert und herabwürdigt.</p>
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		<title>K.O. Tropfen als Glühwein-Scherz &#8211; warum wir sexistische Medienmacher*innen direkt angehen</title>
		<link>https://genderequalitymedia.org/k-o-tropfen-als-gluehwein-scherz-warum-wir-sexistische-medienmacherinnen-direkt-angehen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2018 16:13:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#unfollowpatriarchy]]></category>
		<category><![CDATA[Activism]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ersten Monate unserer Kampagne #UnfollowPatriarchy haben verdeutlicht: sexistische Sprache ist allgegenwärtig, und das auch in den großen, seriösen Blättern. Das liegt vor allem daran, dass unsere Medienlandschaft noch kaum sensibilisiert ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich ein paar  der größeren Medienhäuser doch einsichtig zeigen, und auf unsere Anfrage hin sexistische Schlagzeilen sowie Texte korrigieren. Dennoch stellen wir fest: &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><i>Die ersten Monate unserer Kampagne #UnfollowPatriarchy haben verdeutlicht: sexistische Sprache ist allgegenwärtig, und das auch in den großen, seriösen Blättern. Das liegt vor allem daran, dass unsere Medienlandschaft noch kaum sensibilisiert ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich ein paar  der größeren Medienhäuser doch einsichtig zeigen, und auf unsere Anfrage hin sexistische Schlagzeilen sowie Texte korrigieren. Dennoch stellen wir fest: das Patriarchat ist kein Flüchtigkeitsfehler, sondern hat System und vor allem eins, feste Akteure. Besonders negativ sind in den vergangen Wochen Medienmacher*innen aus Bayern aufgefallen. </i><i><br />
</i></span><br />
<span style="color: #000000;">Sind sexistische Nachrichten, die Verharmlosung von Gewalt, die erniedrigende Darstellung von Frauen*auch im Jahr 2018 noch unbeabsichtigt? Ist Unwissen die Ursache, dass  die Medienlandschaft für diese Belange noch nicht ausreichend sensibilisiert ist? An Information mangelt es eigentlich nicht: Artikel darüber, dass “Familiendrama” ein falscher Begriff ist, gibt es wie Sand am Meer. Fakt ist also, dass im geringsten Fall Unwissen der Grund für Sexismus ist. Unsere langjährigen Arbeit beweist stattdessen, dass Sexismus in vielen Redaktionen System hat. Viele scheinen zu glauben, mit sexistischer Berichterstattung ließe sich gut Geld machen &#8211; und ignorieren dabei die gesellschaftlichen Konsequenzen wie Herabwürdigung, Diskriminierung, sexuelle Belästigungen und Gewalt, die ihre Artikel befördern. Das alles haben wir satt. Aus diesem Grund haben wir <i>#UnfollowPatriarchy</i> gestartet.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;">#unfollowpatriarchy &#8211; weil Sexismus ein Gesicht hat</span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Unser Team screent täglich 14 Online- und Print-Medien und sucht das Netz nach festgelegten Schlagworten ab &#8211; wie zum Beispiel dem Begriff “Familiendrama”. Finden wir einen problematischen Begriff, kontaktieren wir zuerst die Redaktion, beziehungsweise die verantwortlichen Medienmacher*innen selbst. Dabei dokumentieren wir die Reaktionen: wer etwas ändert, wer sich gegen eine Verbesserung stellt, wann eine Antwort kam, und vor allem welche. So werden wir arbeiten wir nach und nach heraus, welche Redaktionen den medialen Sexismus in Deutschland aufrechterhalten, und damit aktive Unterstützer*innen des Patriarchats sind. Unsere Ziele sind daher zum einen zu definieren, wer aus Unwissen Sexismus (re)produziert, um dort Hilfestellung für Veränderungsprozesse zu leisten. Zum anderen wollen wir aber vor allem klarstellen, wer aus Profitgründen und chauvinistischer Denke gar kein Interesse hat etwas ändern, und diese Akteure in den öffentlichen Fokus stellen. Auf diese Weise bekämpfen wir mit <i>#UnfollowPatriarchy</i> sexistische Berichterstattung direkt an der Wurzel, und zwar bei den Personen, die diese Schlagzeilen produzieren und/oder zu verantworten haben. In vielen Fällen konnten wir so schon direkt Einfluss auf sexistische Berichterstattung nehmen.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b>Das Hauptproblem: “Sex” statt Vergewaltigung, “Familiendrama” statt Mord. Aber auch langsame Einsicht.  </b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">“Sex-Falle”, “Sex-Attacke”, “Sex-irgendwas” &#8211; die Wortkombinationen, in denen “Sex” synonym mit “Vergewaltigung” verwendet werden, sind endlos. In den Redaktionen scheint sich ein Automatismus gebildet zu haben, über den kaum nachgedacht wird. Dabei entsteht ein gefährliches Bild: Vergewaltigung als Sex zu bezeichnen ist (im besten Fall) die Annahme der Täter*innenperspektive. <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/warum-vergewaltigung-kein-sex-ist/">Vergewaltigung ist eine Gewalttat,</a> Sex hingegen etwas Einvernehmliches zwischen Personen, die fähig sind für sich zu entscheiden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nadia Murad wurde als Jesidin von den IS gefangen gehalten und vergewaltigt, nun erhielt die irakische Menschenrechtsaktivistin den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit. Am 10. Dezember 2018 berichtete der SWR und bezeichnete Murad &#8211; ähnlich wie die Bild-Zeitung &#8211; als “Sex-Sklavin”.</span><br />
<b></b></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #000000;">Unser Team setzte sich gleich mit der Redaktion in Verbindung, die zuerst die Begriffswahl verteidigte.</span> <span style="color: #000000;">Nach Erläuterung unsererseits, zeigte sich der SWR jedoch einsichtig, und bedankte sich für die Intervention und korrigierte die Stellen.</span><span style="color: #000000;"><b><br />
</b><b><br />
</b>Auch die Auslassung des Begriffs “Vergewaltigung” ist ein Problem &#8211; wenn eine Frau* sich gegen einen Mann wehren muss, der sie vergewaltigen will, ist das versuchte Vergewaltigung und kein “Streit mit einer Freundin”.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #000000;">Wir twitterten an die Redaktion der Ostsee-Zeitung und den verantwortlichen Redakteur Andreas Ebel, der sich ebenso bedankte und auch sofort den Titel änderte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Bei der WAZ korrigierte man ebenso sofort &#8211; und entfernte nach unserem Hinweis den Begriff aus “Sex-Attacke” aus dem Text.</span><br />
<span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1051" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/9z.jpg" alt="" width="310" height="279" /><br />
</span><span style="color: #000000;">Auch die Kieler Nachrichten reagierten, als wir &#8222;Sex-Vorfall&#8220; kritisierten. Die Unterstützung unserer follower*innen war hier sicher nicht unwichtig.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Unsere Medienlandschaft ist patriarchal geprägt, und so werden schädliche Begriffe oft unbewusst übernommen, wie diese Beispiele gezeigt haben. Sexismus erhält sich nun aber nicht durch reine Ausrutscher. Warum Vergewaltigung kein Sex sein soll? Wieso K.O.-Tropfen nicht lustig sind? Warum 156 Tötungen von Frauen* Mord sind und kein Beziehungsstreit? Das wollen einige nicht einsehen. Zudem gibt es Menschen, die diese Ungleichstellung erhalten wollen, weil man aus ihr Profit schlagen kann. Und ach ja, weil man die eigene Vormachtsstellung nicht verlieren will. In unserem letzten Screening war dies verstärkt in Bayern der Fall, sowohl in  großen Tageszeitungen als auch Lokalblättern.</span><br />
<b></b></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b>K.O.-Tropfen Scherze, Familendramas und Taxis als “Sex-Fallen”: Das Leid der Frauen als Entertainment in Bayern<br />
</b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Am 5.11. erschien im Merkur und der tz in München ein Artikel über einen Mord in Fürstenfeldbruck. Im Text fand sich öfter der Begriff “Familiendrama”. “Familiendrama” ist der beliebteste Begriff, wenn es um die Ermordung einer Frau durch einen Bekannten geht, also egal ob Ehemann, (Ex-)Freund oder (abgewiesener) Bekannter. Handelt es sich um muslimische Täter, wird der  Begriff “Ehrenmord” plötzlich wie selbstverständlich benutzt. “Ehrenmord” definiert ganz klar: wird hier eine Frau* ermordet, hat dies System, das Motiv ist der verletzte männliche Stolz. “Familiendrama” hingegen kommuniziert dieses männliche Problem nicht. Synonym dafür wird auch “Beziehungsdrama” verwendet, kommuniziert wird dabei weder ein Männlichkeitsproblem in Deutschland noch der Fakt, dass jeden dritten Tag in Deutschland ein Mann eine Frau* tötet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wir sprachen die Zeitung auf den Begriff an. Weder Kathrin Garbe, die Autorin des Artikels, noch die Redaktion haben sich dazu bis heute geäußert<b><br />
</b><br />
</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ein weiterer Mordfall und ein weiterer Fall von Uneinsichtigkeit beim Bayerischen Rundfunk. Unsere Anfrage blieb auch hier unkommentiert.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mitte November gab es dann einen weiteren Fall der durch die Schlagzeilen ging. Eine Frau wurde in München von einem Mann, der sich fälschlicherweise als Taxifahrer ausgab, vergewaltigt. Wieder gab es eine problematische Schlagzeile bei der tz München. Das Taxi danach als “Sex-Falle” zu bezeichnen? Für die Redaktion offensichtlich kein Problem, auch nicht auf unsere Nachfragen hin.</span></p>
<p><b></b><span style="color: #000000;"><b></b>Nach unserer Erläuterung gab es aber &#8211; im Gegensatz zum letzten &#8211; zumindest erst einmal Einsicht, und das Versprechen der Weiterleitung der Nachricht. <b><br />
</b></span></p>
<h3></h3>
<h3></h3>
<p><span style="color: #000000;">Da keine Antwort kam, meldeten wir uns erneut. Ansage diesmal: nicht zuständig.</span><br />
<span style="color: #000000;"><b><br />
</b></span></p>
<h3></h3>
<p><span style="color: #000000;">Auch nach mehrmaligem Nachfragen gab es nichts weiter als eine Info-Nummer. Für print sind wir nicht zuständig. Nahbare Zeitung? Fehlanzeige. Verantwortungsvoller Diskurs? Sieht anders aus. Neben der Uneinsichtigkeit des Web-Teams &#8211; auch andere Menschen hatten den Fall in den Sozialen Medien thematisiert &#8211; zeigt sich hier vor allem ein Mangel an Kompetenz was Diskursfähigkeit anbelangt. Zudem wurde die Sache umso fragwürdiger, da wir im Fall der &#8222;Familiendrama&#8220; &#8211; Schlagzeile, die eben in einem online- und nicht print-Artikel stand, gar keine Reaktion erhalten haben. Über eine telefonische Kontaktaufnahme sehen wir daher erst einmal ab &#8211; was telefonisch besprochen wird, kann man hinterher schwer nachweisen. Stattdessen fassen wir nach den Feiertagen nochmal per Schreiben nach.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ignoranz, Desinteresse, das finden wir aber nicht nur in der Lokalpresse wieder. Im November schickte uns ein Follower einen Hinweis aus der Printversion der Süddeutschen Zeitung. Der Artikel handelte eigentlich von Glühwein. Der Autor, Werner Bartens, fand es besonders lustig die Wirkung von Zucker und Alkohol mit der von K.O.-Tropfen zu vergleichen.</span><br />
<span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1064" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/23z.jpg" alt="" width="428" height="513" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wir wollten von dem Journalisten wissen, wie es denn zu so einem “Scherztitel” kommen kann in Zeiten von #MeToo. Die Antwort blieb aus, das einzige plus: online war diese Schlagzeile nicht zu finden. Woran das wohl liegen lag?</span><br />
<span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1065" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/24z.jpg" alt="" width="278" height="228" /> </span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b><br />
Keine Ausrutscher, sondern Sexismus mit System</b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Die Existenz von medialem Sexismus, ist mittlerweile in den Köpfen vieler Menschen und auch in vielen Redaktionen angekommen. Jedoch herrscht Uneinigkeit darüber, wie dem begegnet werden soll. Mit mehr Medienkritik und besserer Aufklärung? In der Tat ist es unser Ziel, gendersensible Berichterstattung so in den Fokus zu rücken, dass unsere Arbeit obsolet wird. Neben unserer aktivistischen Arbeit bieten wir den Redaktionen daher auch Workshops an. Aber wir glauben auch, dass Sexismus nicht einfach verschwinden wird, wenn man nur gut und oft genug darüber aufklärt. Denn es gibt einfach zu viele Menschen, die davon profitieren. Wie bei jeder Form von Unterdrückung kann diese nur bekämpft werden, wenn man auch direkt an die Verursacher*innen und die Profiteur*innen des Problems geht. Viel elementarer für unsere Kampagne ist daher vor allem die Sammlung und Dokumentation einzelner Medienmacher*innen, die offensichtlich den Luxus haben, nicht von sexistischer Diskriminierung betroffen zu fühlen. Wer K.O.-Tropfen lustig findet, wer kein Problem darin sieht Vergewaltigung als Sex zu titulieren, es gut findet diese Gewalttaten in vermeintlich unterhaltende Wortkombinationen zu stecken, der ist nicht nur am Erhalt von Sexismus beteiligt, sondern formt ihn maßgeblich mit.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b>Wer den Gegner nicht benennen kann, kann ihn auch nicht bekämpfen</b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Darum werden wir es in den Fällen der Süddeutschen Zeitung und tz München nicht mit Dokumentation ihrer Sexismen belassen. Dort hat man sich dazu entschieden nichts zu korrigieren, manchmal nicht einmal zu re-agieren. Auf Gleichberechtigung zu verzichten, die Unterdrückung anderer zu negieren, das ist ein Privileg das sich sexistische Medienmacher*innen einfach herausnehmen, die Folgen haben andere zu tragen. Studien belegen dabei den Zusammenhang zwischen sexistischer Berichterstattung und Gewalt gegen Frauen* zuhauf. Wenn wir nachhaltig etwas verändern wollen, müssen wir genau nachfragen, worin denn das Problem für diese Personen liegt, über alle Menschen gleichermaßen respektvoll zu schreiben. Setzen wir uns dieser Konfrontation nicht aus, dass wir Menschen unter uns haben die den Wandel gar nicht wollen, wenn wir den Ursprung des Problems nicht benennen, können wir auch kaum etwas ändern. “Aufklärungsfeminismus”, also um Wandel bitten, statt auf Gerechtigkeit zu bestehen, reicht nicht. Gerechtigkeit wird einem nie gegeben, man muss sie sich erkämpfen. Mit <i>#unfollowpatriarchy</i> wollen wir genau hier ansetzen, und diese zweifelhafte Privilegstellung angreifen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Dinge beim Namen nennen – Warum eine Vergewaltigung kein Sex ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Dec 2018 07:35:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[#metoo]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[ja heißt ja]]></category>
		<category><![CDATA[nein heißt nein]]></category>
		<category><![CDATA[Vergewaltigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Leider müssen wir immer wieder erklären, warum Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kein Sex sind. Medienhäuser hoffen auf gute Klickzahlen, nehmen dabei bewusst oder unbewusst die Täter*innenperspektive ein und verharmlosen ganz nebenbei Straftaten. Wie die Hannoversche Allgemeine berichtete, wurde Mitte November in München eine 17-Jährige von einem vermeintlichen Taxifahrer vergewaltigt, am selben Wochenende wurde außerdem eine 22-Jährige in einem falschen Taxi sexuell &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leider müssen wir immer wieder erklären, warum Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kein Sex sind. Medienhäuser hoffen auf gute Klickzahlen, nehmen dabei bewusst oder unbewusst die Täter*innenperspektive ein und verharmlosen ganz nebenbei Straftaten.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie die Hannoversche Allgemeine berichtete, wurde Mitte November in München eine </span><a href="http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Taxifahrer-vergewaltigt-17-Jaehrige-in-Muenchen"><span style="font-weight: 400;">17-Jährige von einem vermeintlichen Taxifahrer vergewaltigt</span></a><span style="font-weight: 400;">, am selben Wochenende wurde außerdem eine 22-Jährige in einem falschen Taxi sexuell belästigt.</span></p>
<p><a href="https://twitter.com/gem_ev_/status/1062982223828271110"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-936" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/11/10_181115_TZ_Sex-Falle-Taxi-300x262.png" alt="Titelblatt der TZ München mit Schlagzeile &quot;Sex-Falle Taxi&quot;" width="800" height="698" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">&#8222;Sex-Falle Taxi&#8220; titelt hierzu die TZ München und banalisiert damit die Missbrauchsfälle, indem die Redaktion Vergewaltigung mit Sex gleichsetzt. Wir kritisierten das Titelblatt am 15. November auf Twitter und erhielten nach mehrfacher Nachfrage eine Antwort des offiziellen Accounts der TZ: </span></p>
<p><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1063395607442800641"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-959" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-300x49.png" alt="Tweet der TZ München: &quot;Wir haben deine Kritik an die Chefredaktion der Zeitung weitergegeben.&quot;" width="800" height="130" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-300x49.png 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-768x125.png 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-1024x167.png 1024w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als nach weiteren 10 Tagen keine weitere Rückmeldung erfolgt war, fragten wir erneut nach. Diesmal lautete die Antwort:</span></p>
<p><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1067008786374828032"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-987" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-1-300x48.png" alt="Tweet der TZ München: &quot;Der Tweet von @gem_ev_ hat uns Kollegen in der Onlineredaktion erreicht. Wir können und werden nicht für die Zeitungskollegen sprechen. Daher die Bitte, direkten Kontakt zur Print-Chefredaktion aufzunehmen.&quot;" width="800" height="128" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Über den offiziellen Twitteraccount der TZ erreicht man die TZ also nicht. Zu dieser sinnvollen und hochprofessionellen Social-Media-Strategie kann man der TZ nur gratulieren (sie wäre zu diesem Zweck allerdings leider schlecht zu erreichen).</span></p>
<h3><strong>&#8222;Sex&#8220; als Synonym für Gewaltverbrechen</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Sex, Vergewaltigung, sexualisierte Gewalt, Zwangsprostitution und sogar Kindesmissbrauch scheinen für die TZ schon seit mehreren Jahren schwer auseinanderzuhalten zu sein. So titelte und twitterte sie im November 2016 über &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/798554201454510081"><span style="font-weight: 400;">Sex-Morde in Süddeutschland&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;">, im Juni 2016 von einem &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/745278316538699776"><span style="font-weight: 400;">Sex-Überfall in Vaterstetten&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;">, im Juli 2015 über Bill Cosby, er habe &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/618335970799300608"><span style="font-weight: 400;">Frauen mit Drogen betäubt, um mit ihnen Sex zu haben&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;">, im März 2009 über einen Menschenhändler-Ring, er habe &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1397438119"><span style="font-weight: 400;">Illegale zum Sex gezwungen</span></a><span style="font-weight: 400;">&#8220; und über einen pädophilen Sexualstraftäter, dass er sich &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1350193163"><span style="font-weight: 400;">beim Sex mit seinen Kindern&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;"> gefilmt habe.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wird aus der Perspektive des Opfers berichtet, ist es schwer möglich, sexuelle Gewalt mit einvernehmlichem Sex zu verwechseln – es handelt sich um eine Gewalterfahrung. Durch die Vermischung und falsche Verwendung der Begriffe findet die Berichterstattung somit aus der Perspektive der Täter*innen statt, deren Befriedigung wird zum Ausgangspunkt und die Straftat wird sprachlich verharmlost. Hierbei wird unbewusst an ein generell problematisches Bild von Sexualität angeknüpft, insbesondere von weiblicher Sexualität, das davon ausgeht, dass Frauen prinzipiell eigentlich nie Sex haben wollen und Männer prinzipiell immer. Damit einher gehen dann Vorstellungen, Männer müssten Frauen &#8222;rumkriegen&#8220;, damit sie sie &#8222;ranlassen&#8220; – hierbei ist Sex folglich etwas, das die Frau gewissermaßen über sich ergehen lässt, um dem Mann einen Gefallen zu tun.</span></p>
<h3>Bitte keinen Widerwillen zur Schau tragen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese sehr traurige Annahme hielt auch der Bundesgerichtshof für plausibel und normal, als er </span><a href="https://opinioiuris.de/entscheidung/1659"><span style="font-weight: 400;">1966 in einem Urteil</span></a> <span style="font-weight: 400;">die Ansicht vertrat, Ehefrauen seien ihren Männern gegenüber zur </span><span style="font-weight: 400;">&#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Gewährung [von Geschlechtsverkehr] in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; verpflichtet, was aber noch nicht ausreichend sei: &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, daß sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt.</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; Sie wären des Weiteren nicht berechtigt, &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; und sollten &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">darauf verzichten, [ihre] persönlichen Gefühle in verletzender Form auszusprechen&#8220;</span></i><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zentral sollte also die Befriedigung des Mannes sein. Die Befriedigung der Frau fand nicht nur keine Erwähnung, ihr Verhalten wurde ausschließlich im Hinblick auf die Befriedigung des Mannes bewertet: </span>&#8222;<i>Denn erfahrungsgemäß vermag sich der Partner, der im ehelichen Verkehr seine natürliche und legitime Befriedigung sucht, auf die Dauer kaum jemals mit der bloßen Triebstillung zu begnügen, ohne davon berührt zu werden, was der andere dabei empfindet.</i>&#8220;</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Negative Empfindungen der Frau könnten also der &#8222;natürlichen und legitimen&#8220; Befriedigung des Mannes im Wege stehen und sollten deshalb überspielt werden. Das heißt im Klartext: Lächel doch mal!</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ausgehend von diesem fehlgeleiteten Bild von Sexualität ist es dann möglich, Vergewaltigung und einvernehmlichen Sex als die Enden eines Spektrums zu begreifen: Im schlimmsten Fall wehren sich Frauen mit Händen und Füßen, wenn es etwas besser läuft sagen sie halt nein aber wehren sich nicht, wenn es noch besser läuft protestieren sie nicht und tragen keine &#8222;Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau&#8220; und so weiter bis hin zum zufälligen Glücksfall, dass sie freundlicherweise bereitwillig mitmachen. Die Annahme, zwischen Sex und Vergewaltigung bestünde ein fließender Übergang, ermöglicht dann die Einbildung, es gäbe eine Grauzone: Nicht-einvernehmlicher Sex, der aber keine Vergewaltigung ist.</span></p>
<h3>Abwarten und Tee trinken?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Kann man ein Gerichtsurteil von 1966 als Teil seiner Argumentation zur Erklärung von gegenwärtigen gesellschaftlichen Missständen heranziehen? Ein berechtigter Einwand, schließlich wandelt sich unsere Gesellschaft rasant – schon 1997, also nur 31 Jahre später, war Vergewaltigung in der Ehe eine Straftat! Und heute, 52 Jahre später, sind wir doch sowieso alle viel weiter, oder?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In einem </span><a href="http://rockstardinosaurpirateprincess.com/2015/03/02/consent-not-actually-that-complicated/"><span style="font-weight: 400;">Blogbeitrag</span></a><span style="font-weight: 400;">, der später als animierter </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=oQbei5JGiT8"><span style="font-weight: 400;">Clip</span></a><span style="font-weight: 400;"> viral ging, vergleicht die britische Bloggerin Emmeline May Sex mit Tee: </span></p>
<blockquote><p><iframe loading="lazy" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/oQbei5JGiT8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p><span style="font-weight: 400;">&#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">If they say &#8218;No thank you&#8216; then don’t make them tea. At all. Don’t make them tea, don’t make them drink tea, don’t get annoyed at them for not wanting tea. They just don’t want tea, ok?&#8220; </span></i></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">John Oliver verglich in einer </span><a href="https://youtu.be/L0jQz6jqQS0?t=893"><span style="font-weight: 400;">Episode von Last Week Tonight</span></a><span style="font-weight: 400;"> Sex mit einem Boxkampf: &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Wenn einer nicht mitmachen will, begeht der andere ein Verbrechen.</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; Konsens ist also relativ leicht zu begreifen: Nein heißt nein. Das stellt heute abgesehen von einigen zutiefst verwirrten Pick-Up-Artists auch niemand mehr infrage – es sei denn, man bewegt sich von &#8222;nein heißt nein&#8220; ein kleines Stück weiter und behauptet, &#8222;nur ja heißt ja&#8220;, wie es seit diesem Jahr in Schweden Grundsatz des Sexualstrafrechts ist.</span></p>
<h3>Konsens als Passierschein A38</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im deutschen Sexualstrafrecht wird Passivität als Zustimmung gewertet. Als in Schweden das Sexualstrafrecht reformiert wurde, übertrafen sich die deutschen Medien gegenseitig in der Suche nach der absurdesten mutwilligen Fehlinterpretation der neuen Gesetzeslage.  Seinen Sexpartner oder seine Sexpartnerin nach seinem oder ihrem Einverständnis zu fragen, wurde in der Berichterstattung als nahezu unerfüllbarer Akt ungeahnten bürokratischen Ausmaßes dargestellt – die schwedische Juristin Kristina Hatas hat für uns in einem </span><a href="https://genderequalitymedia.org/schwedische-botschaft-an-deutsche-medien-ja-sex-sollte-einvernehmlich-sein-ein-gastbeitrag-aus-schweden/"><span style="font-weight: 400;">Gastbeitrag</span></a><span style="font-weight: 400;"> die befremdlichen Auswüchse der Debatte zusammengefasst und eingeordnet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Treffend auf den Punkt gebracht wird die Schlagrichtung der deutschen Medien in zwei Satirevideos: In einem </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=G-T2EEOn5nM"><span style="font-weight: 400;">Clip</span></a><span style="font-weight: 400;"> der funk-Produktion </span><i><span style="font-weight: 400;">Bohemian Browser Ballet</span></i><span style="font-weight: 400;"> sammelt ein Paar rechtskräftige Beweise wie eine unterschriebene Einverständniserklärung und eine Urinprobe. In einem Monate später erschienen </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Td6nF7jXIik&amp;t=0s&amp;"><span style="font-weight: 400;">Sketch</span></a><span style="font-weight: 400;"> im heute-show-Sommerpausenfüller </span><i><span style="font-weight: 400;">Danke Deutschland</span></i><span style="font-weight: 400;"> des ZDF wird nach einem weitestgehend ähnlichen Skript die Rechtssicherheit durch notarielle Beglaubigung und Anwesenheit von Zeugen und einem Rechtsanwalt sichergestellt. Tenor ist also: Nach dem Einverständnis zu fragen macht die Stimmung kaputt und ist vollkommen überflüssig. In den Augen der Medienmacher*innen scheint die trennscharfe Differenzierung zwischen Sex und Vergewaltigung unhinterfragte Gewissheit, als wäre es gegebene Tatsache, dass sowieso niemand auf die Idee käme, mit jemandem ohne dessen Einverständnis Geschlechtsverkehr zu haben. Das ist leider nicht richtig.</span></p>
<h3>Ein Viertel der Deutschen findet Vergewaltigung manchmal okay</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im</span><a href="https://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/download/DocumentKy/75839"> <span style="font-weight: 400;">Spezial-Eurobarometer 449</span></a><span style="font-weight: 400;"> zu geschlechtsspezifischer Gewalt waren 27% aller befragten Deutschen der Meinung, &#8222;Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung&#8220; könne &#8222;unter bestimmten Umständen gerechtfertigt&#8220; sein, etwa wenn das Opfer betrunken ist, Drogen genommen hat, freiwillig mit jemandem nach Hause gegangen ist, &#8222;freizügige, provozierende oder sexy Kleidung&#8220; getragen hat, nicht deutlich “nein” gesagt oder sich körperlich nicht deutlich gewehrt hat, nachts alleine draußen herumgelaufen ist oder mehrere Sexualpartner hat. </span><a href="https://www.nytimes.com/2017/10/30/health/men-rape-sexual-assault.html"><span style="font-weight: 400;">Bei Befragungen von amerikanischen College-Studenten zu ihrem Sexualverhalten gaben Teilnehmer an</span></a><span style="font-weight: 400;">, sie hätten eine Partnerin &#8222;gegen ihren Willen penetriert&#8220;, gleichzeitig gaben sie an, &#8222;sowas wie eine Vergewaltigung&#8220; nicht begangen zu haben. In Vergewaltigungsprozessen sagen die Angeklagten häufig aus: &#8222;</span><a href="https://broadly.vice.com/en_us/article/qkg7y7/why-so-many-rapists-dont-realize-theyre-rapists"><span style="font-weight: 400;">Ich dachte, sie wollte es.&#8220;</span></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die nicht vorhandene Trennung zwischen einvernehmlichem Sex und Vergewaltigung ist also weiterhin relevant und hat schwerwiegende Konsequenzen. Die synonyme Verwendung der Begriffe ist mindestens fahrlässig. Wenn bei Sexualstraftaten statt von Belästigung und Vergewaltigung von &#8222;Sex&#8220; die Rede ist, sieht das auf der Titelseite zwar aufregend und ein bisschen skandalös aus und hilft möglicherweise, Verkaufs- oder Klickzahlen in die Höhe zu treiben. Aber durch die Vermischung der Begriffe wird zugunsten der Unterhaltsamkeit ein Gewaltverbrechen trivialisiert und verharmlost.</span></p>
<p>Von <a href="https://twitter.com/gewittergesicht">Vic Schulte</a></p>
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		<title>Body Talk &#8211; Spielt unsere Kritik dem Mediensexismus in die Hände?</title>
		<link>https://genderequalitymedia.org/spielt-unsere-kritik-dem-sexismus-in-den-medien-in-die-haende/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Apr 2018 05:22:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer wieder wird uns vorgeworfen, wir würden Fotos weiter verbreiten, die wir eigentlich kritisieren. Kurz gesagt: Fotos von halbnackten Frauen in sexistischer Darstellung. Sollten wir zur besseren Kritik, genau diese Schlagzeilen und Fotos veröffentlichen? Oder wäre es besser, diese weg zu lassen, um die Verknüpfung von Überschrift und Bild, nicht noch weiter zu verbreiten? Sollten wir die Aufnahmen vielleicht sogar &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Immer wieder wird uns vorgeworfen, wir würden Fotos weiter verbreiten, die wir eigentlich kritisieren. Kurz gesagt: Fotos von halbnackten Frauen in sexistischer Darstellung. Sollten wir zur besseren Kritik, genau diese Schlagzeilen und Fotos veröffentlichen? Oder wäre es besser, diese weg zu lassen, um die Verknüpfung von Überschrift und Bild, nicht noch weiter zu verbreiten? Sollten wir die Aufnahmen vielleicht sogar zensieren, Körperteile also abschneiden oder verdecken? Auch bei uns im Team gibt es gemischte Meinungen dazu <span class="st">–</span> ein Pro/Contra-Kommentar von Rebecca und Lisa.</em></p>
<p><span id="more-533"></span></p>
<h3><strong><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-546 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-300x300.jpg" alt="" width="343" height="343" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-300x300.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-150x150.jpg 150w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-768x768.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-1024x1024.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk.jpg 1080w" sizes="(max-width: 343px) 100vw, 343px" /><br />
Lisa ist gegen eine Zensur:</strong></h3>
<p>Nur, wenn wir die Bilder unkommentiert teilen würden, trügen wir zur Verbreitung von Bilds traurigem Gedankengut bei. Wir müssen zeigen, was schief läuft, um Leute zu mobilisieren &#8211; und das geht am besten, wenn wir Schlagzeile und Bild gemeinsam präsentieren.</p>
<p><strong>Frauen = Sex?</strong></p>
<p>Wir teilen die Bilder auf Facebook und Twitter, um auf das Problem der medialen Sexualisierung von Frauen aufmerksam zu machen. Dabei haben wir die Bilder oder die abgebildeten Frauen selbst nie kritisiert. Und doch müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, ob wir auf die Kritik reagieren sollten, indem wir die Fotos zensieren. Aber was ist denn eigentlich auf den Aufnahmen zu sehen? Was ist das kritisierbare &#8211; was an den Bildern rechtfertigt eine Zensur?</p>
<p>Zu sehen sind Frauen &#8211; oder besser: Ihre Körper. Wir sehen Rücken, Hintern, Brüste oder einfach eine bestimmte Art von Körperhaltung. Sind weibliche Körperteile wirklich per se anrüchig, sodass man sie verstecken muss? Wir sehen Personen, die teilweise freiwillig, teilweise unfreiwillig in beruflichen oder auch Alltagssituationen fotografiert wurden. Zum Teil haben sie offensichtlich Freude an der Aufnahme, zum Teil wirken sie, als hätte man sie kalt erwischt. Ist vielleicht nicht die Abgebildete Person das Problem, sondern die Art und Häufigkeit des Abbildens? Und wurden wir nicht im Laufe unserer Sozialisation durch Zeitungen wie Bild daran gewöhnt, dass der weibliche Körper quasi gleichzusetzen ist mit „Sex“ und deshalb nicht in die Öffentlichkeit gehört?</p>
<p><strong>Körperteile sind nicht das Problem</strong></p>
<p>Die meisten Aufnahmen, die Bild und andere Medien verwenden, sind wahrscheinlich freiwillig entstanden. Was wir an ihnen kritisieren, ist nicht das Verhalten der abgebildeten Frauen, sondern ausschließlich die Art und Weise, wie und wie häufig Bild die Fotos präsentiert. Erstens: Bild berichtet viel seltener über Frauen als über Männer. Zweitens: Wenn Bild über Frauen berichtet, sind sie meist halbnackt und durch eine Schlagzeile sexualisiert und der Fokus des Berichts liegt auf ihrem Äußeren. Von dem starren Fokus auf weiße schlanke Frauen ganz zu Schweigen. Die problematischen Auswirkungen darauf, wie Frauen wahrgenommen werden, sind offensichtlich und durch verschiedene Studien belegt. Aber wenn wir die Bilder zensieren würden, entstünde dann nicht der Eindruck, das Problem sei nicht die Art der Abbildung, sondern der Körper der Frauen selbst?</p>
<p>Und wie verhält es sich mit Paparazzi-Fotos? Manche Aufnahmen sind unfreiwillig entstanden und die abgebildeten Frauen haben einer Veröffentlichung nie zugestimmt. Wir wünschen uns respektvolle und vielfältige Berichterstattung und wollen nicht, dass jede einzelne Alltagssituation als Clickbait benutzt wird. Wenn wir die Brüste oder Hintern aber verdecken, bringen wir damit unsere Kritik zum Ausdruck?</p>
<p><strong>Zensur und Scham</strong></p>
<p>Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, dass ich als Frau aufpassen muss, was ich mit meinem Körper tue. Schon früh wurde ich darauf hingewiesen, nicht so kurze Shorts zu tragen oder dass mein bauchfreies Oberteil andere Menschen aufregen könnte. In der Schule hatte ich viele Freundinnen, die gerne mit tiefem Ausschnitt herumliefen. Mehrmals bekam ich mit, wie meine Klassenlehrerin sie aufforderte, sich zu bedecken. Keiner meiner männlichen Klassenkameraden wurde jemals wegen seines Muskelshirts oder seiner kurzen Shorts kritisiert.</p>
<p>Es ist ein Ausdruck des Patriarchats, dass der weibliche Körper per se als etwas anrüchiges und stets sexualisierbares wahrgenommen wird. Als etwas, das versteckt oder gar „zensiert“ werden muss. Wenn wir von klein auf nackte weibliche Körper mit Sex verbinden, weil sie uns überall in den Medien auf diese Weise präsentiert werden, dann ist das ein Problem. Aber der weibliche Körper selbst ist niemals das Problem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_539" style="width: 587px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-539" class="wp-image-539" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-300x200.jpg" alt="Symbolbild für Sexismus in den Medien" width="577" height="384" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-300x200.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-768x512.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-1024x682.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 577px) 100vw, 577px" /><p id="caption-attachment-539" class="wp-caption-text">Symbolbild: Denn Frauen* werden in den Medien immer wieder sexualisiert und objektifiziert.</p></div>
<h3></h3>
<h3><strong>Rebecca ist gegen das Zeigen und die Verbreitung der Fotos:<br />
</strong></h3>
<p>Nacktheit ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil, Menschen, die sich nackt (oder leicht bekleidet) zeigen, machen das oft, weil sie sich in ihrem Körper wohl fühlen, weil sie die Bewegungsfreiheit schätzen, gerne mit dem ganzen Körper Sonne tanken wollen, oder was auch immer. Und das ist super. Menschen aller Körpertypen sollten auf jeden Fall die Möglichkeit erhalten, ihren Körper so zu zeigen, wie sie es gerne tun. Wenn darum zu einer Meldung gehört, wie eine Person sich körperlich präsentiert – wir erinnern uns zurück an unseren <a href="https://www.stopbildsexism.com/2016/11/14/jennifer-rostocks-hengstin-nackt-im-kampf-gegen-sexismus/">Blogbeitrag über Jennifer Rostock’s Hengstin</a>– sollten wir dieser Selbstpräsentation weiterhin Raum geben.</p>
<p><strong>Abbildungen schaffen Normalität </strong></p>
<p>In den allermeisten unserer Screenshots steht allerdings nicht eine Person, ein Ereignis, ein künstlerisches Werk etc. im Mittelpunkt, sondern die Art, wie Medien darauf reagieren. Das bedeutet, wir arbeiten mit einem vorgefilterten Pool an Bildern: Denn die Menschen, die Medien gerne leicht bekleidet abbilden, sind zu einem großen Teil weiß, und fast ausschließlich schlank und cis-weiblich. Wo sie es nicht sind, wird gerade diese “Abweichung” entweder fetischisiert oder als Makel dargestellt (oder beides). Das schafft Normalität. Und die Normalität, die auf den Bildschirmen ankommt, ist: Menschen, die sich nackt zeigen können, sehen so aus. Und: Menschen, die so aussehen, sollten nackt gesehen werden. Für viele Lesende bedeutet das entweder: So, wie du aussiehst, solltest du dich nicht nackt zeigen. Oder: So, wie du aussiehst, ist dein Hauptkapital dein Körper.</p>
<p>Wir wissen, dass ein konstantes sich-Vergleichen mit unrealistischen Idealen mit vielen negativen Dingen korreliert: Zurückhaltung, den eigenen Körper zu benutzen (z.B. beim Sport), Selbstzweifel, Fokus des Selbstbilds auf körperliche anstatt von intellektuellen Eigenschaften. „Selbst-Objektifizierung“ wird sogar in Verbindung mit Dingen, wie Depression oder Drogenkonsum gebracht. Weil der menschliche Geist keine Maschine ist, gibt es keine einfache Gleichung, die besagt, „Fünf Bilder von Frauen, die fünf Kilo leichter sind als du, erhöht den Tabakkonsum um drei Zigaretten die Woche.“</p>
<p><strong>Mehr Vielfalt muss her</strong></p>
<p>Aber: So lange wir im Ausgleich keine vergleichbare Anzahl von Bildern anderer Körpertypen liefern, werden wir zu der Normalität „nackt zu zeigen = schlank, weiß, weiblich“ beitragen. Und warum soll das nötig sein? Dass das Bild einer Person betitelt wird mit „Wem gehören diese Kokosnüsse“ oder „Achtung, heiße Kurven“ – dass das nicht okay ist, lässt sich auch erklären, ohne jedes Mal das Bild anzuhängen. Eine Erklärung wie „ein Strandbild von Celebrity X wird betitelt mit …“ tut es genauso. Dabei bin ich natürlich ausdrücklich nicht dafür, Bilder zu zeigen, und dabei bestimmte Körperregionen z.B. mit einem Balken zu verdecken. Dadurch würde sehr wahrscheinlich nur der Eindruck entstehen, dass Brüste, Po oder andere Körperteile von Frauen etwas sind, das versteckt werden muss.</p>
<p>Ich bin außerdem auch nicht dafür, dass wir gänzlich auf die Wiedergabe von kritikwürdigen Bildern verzichten. Wo es darum geht, Muster aufzuzeigen – z.B. bei der Zusammenstellung von Frauenbildern, denen der Kopf abgeschnitten wurde, oder die unnötig auf die Brust fokussieren – da kann und soll das Bildmaterial natürlich weiterhin genutzt werden. Aber vielleicht müssen unsere Follower nicht schon beim Scrollen durch unseren Twitterfeed mit denselben einseitigen Bildern bombardiert werden, wie alle anderen Medien sie auch liefern.</p>
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		<title>Marcel dem seine Frau &#8211; die Frauen, die Huren, und die Politikerinnen der Bild</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Mar 2018 10:45:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei der BILD sind Frauen* alles &#8211; nur keine selbstständigen Personen. Die Minister_innen von Söders Kabinett sind nun bekannt. Die neue Ministerin für Wissenschaft heißt Marion Kiechle. Für die Bild-Redaktion ist sie dennoch einfach nur eins: Die Frau von Marcel Reif. Sewsan Chibli war bis Dezember 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, seitdem ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><i>Bei der BILD sind Frauen* alles &#8211; nur keine selbstständigen Personen. Die Minister_innen von Söders Kabinett sind nun bekannt. Die neue Ministerin für Wissenschaft heißt Marion Kiechle. Für die Bild-Redaktion ist sie dennoch einfach nur eins: Die Frau von Marcel Reif. </i></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-519 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/180322_BILD_Besitz-284x300.jpg" alt="" width="319" height="337" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Sewsan Chibli war bis Dezember 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, seitdem ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Bei der Bild dennoch: “Müllers Neue”, obwohl eigentlich als Staatssekretärin die neue rechte Hand von Berlins Bürgermeister Michael Müller. “Syriens First Lady”, Asma Al-Assad, ungeachtet der politischen Ausrichtung, auch nur die “dreifache Mutter”.</span><br />
<span style="color: #000000;"> <img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-522" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/müllers-neue-kein-name-300x289.png" alt="" width="270" height="260" />                           <img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-525 alignnone" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/asma-al-assad-300x262.jpg" alt="" width="302" height="264" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Und vergessen wir nicht, dass sogar der Tod der Politologin und Journalistin Sylke Tempel der Bild nur eine Nachricht wert war, weil sie zur “Gabriel-Freundin” erklärt werden konnte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-526 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dsdsdfsf-300x212.jpg" alt="" width="373" height="263" /></span><br />
<span style="color: #000000;"> <!-- oh shit danke --></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Diese Herangehensweise schockiert viele, gerade wenn es um Politiker_innen geht. Dabei ist die Denkweise, die dahinter steckt nichts neues bei der Bild. Nur, wenn es um “andere” Frauen geht, fällt es den Leuten gar nicht mehr auf. Models, Erotikdarstellerinnen, Prominente &#8211; die sind Freiwild und ja, irgendwie gehört es ja auch zu ihrem Job oder? “Spieler-Frau”, “Götze-Freundin”, das sind Titel, die schäbig klingen, wie Anhang, aber viel Empörung kommt hier nicht auf.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-524 alignnone" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/Bild_11012017-300x296.png" alt="" width="235" height="232" /><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-523" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/Screenshot-300x234.png" alt="" width="300" height="234" /><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-520" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/boah_preview-300x286.png" alt="" width="242" height="231" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Gerade die Frauen und Freundinnen von Profi-Sportlern müssen hier viel aushalten. Letztendlich sind Frauen* eben nur Ware &#8211; je mächtiger bzw. prominenter die Männer, desto austauschbarer ihre Frauen. Wenn man erklären muss, wer sie sind, dann sind sie zuerst die Mutter, Tochter, Frau oder Freundin, dabei fängt es früh an, dass sie, auch gegen ihren Willen als Sexobjekte präsentiert werden. Der “Nachwuchs” steht, ob er will oder nicht, schon längst in den Startlöchern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-521 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/töchter_preview-300x95.png" alt="" width="388" height="123" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Letztendlich müssen wir aber gar nicht viel interpretieren. Die Bild Redaktion hat es ja selber schon mal ganz gut zusammengefasst: “Diese Frauen”, ja, die sind “selbst schuld”. Als wir Ralf Schuler, Mitglied der Bild-Parlamentsredaktion, für einen respektlosen Post zum Aussehen einer Prominenten kritisierten, hat er wohl mal kurz nicht aufgepasst und es uns selbst so erklärt:</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-502 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg" alt="" width="290" height="408" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg 213w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler.jpg 681w" sizes="(max-width: 290px) 100vw, 290px" /></span><br />
<span style="color: #000000;"> “Nicht unser Problem” meint Herr Schuler also &#8211; dabei sind Frauen täglich davon betroffen, dass wir nur in Beziehung zu Männern gesehen werden. Vom Kindergartenalter an sind Geschichten, in denen männliche Protagonisten auftauchen “für alle” gedacht, während Protagonistinnen, wenn überhaupt, nur in ausgesprochenen “Mädchenbüchern” auftauchen. Schulen mischen sich darin ein, was Mädchen anzuziehen haben, weil sie angeblich eine Ablenkung für ihre männlichen Kollegen oder sogar ihre Lehrer darstellen. Im Berufsleben wird von vielen Frauen erwartet, einen schmalen Grat zwischen “als attraktiv genug wahrgenommen, um professionell zu sein” und “zu attraktiv und damit schon wieder unprofessionell” zu treffen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Es ist ein riesiger Fortschritt zu erkennen, wie die Anzahl der Menschen steigt, die nicht mehr hinnehmen wollen, dass Frauen mehr als Objekt denn als Subjekt gelten. Uns wäre es ein Anliegen, in diesem Kontext aber vielleicht noch einen Schritt weiterzugehen, und genauso empört zu sein, wenn Reality TV Frauen*, Models, oder ja, auch Frauen* die es wagen eine Beziehung zu Sportlern zu haben, so behandelt werden. Dann wäre der nächste Schritt nämlich, darüber nachzudenken, wie wir selbst noch, ganz unterbewusst, da auch schon ein bisschen trennen. Und diese Selbsterkenntnis wäre ein kleines Stück Revolution.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Rebecca &amp; Penelope</span></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Wenn Redaktionen Frauen* hassen: Von &#8222;die Frauen sind selbst schuld&#8220; zu angezogenen Bild-Girls</title>
		<link>https://genderequalitymedia.org/von-angezogenen-bild-girls-und-einer-redaktion-die-sich-warm-anziehen-muss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Mar 2018 09:36:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
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					<description><![CDATA[In der BILD-Zeitung wird es ab jetzt keine nackten Bild-Girls mehr geben. Kurz nach Veröffentlichung dieses Statements (und den ersten “erotischen” Bildern einer nicht ganz nackten Frau) ging ein Blitz durch die Social Media Bubbles &#8211; hat die 2014 gegründete Kampagne #StopBILDSexism nun ihr Ziel erreicht? Ist die BILD jetzt weniger sexistisch? Setzt da etwa wirklich ein Kulturwandel ein? Hier &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><i>In der BILD-Zeitung wird es ab jetzt keine nackten Bild-Girls mehr geben. Kurz nach Veröffentlichung dieses Statements (und den ersten “erotischen” Bildern einer nicht ganz nackten Frau) ging ein Blitz durch die Social Media Bubbles &#8211; hat die 2014 gegründete Kampagne #StopBILDSexism nun ihr Ziel erreicht? Ist die BILD jetzt weniger sexistisch? Setzt da etwa wirklich ein Kulturwandel ein? Hier unser Rückblick auf den krassen Sexismus der Bild, den ersten backlash zu #StopBildSexism, und warum wir jetzt erst recht weiter fordern müssen.<br />
</i></span></p>
<p><span style="color: #000000;">So so, die BILD, Europas auflagenstärkste Zeitung, will ab dem 12. März 2018 “keine eigenen Oben-ohne-Produktionen von Frauen mehr zeigen” und kommentiert diesen Schritt selbst mit: “Männer, ihr müsst jetzt ganz stark sein.” Zur Begründung schreibt die Zeitung, dass man das Gefühl habe, Frauen würden den Anblick anderer nackter Frauen “kränkend oder herabwürdigend” empfinden. Dabei, so BILD, sollten die nackten Frauen doch unterhalten. Und sowieso, alle nackten BILD Girls hätten sich absolut freiwillig für die Zeitung ausgezogen. Nun soll also ein zeitgemäßer Stil her: erotische Bilder soll es weiterhin geben, aber die BILD gelobt nun “vorsichtiger, nachdenklicher” zu sein bei der Auswahl der Bilder. Erotische Bilder von Frauen (in dem selbsternannten journalistischen Medium) BILD-Zeitung komplett abschaffen? Das scheint der Redaktion zu weit zu gehen, immerhin sei erotische Fotografie eine Errungenschaft freier Gesellschaften. Genauso wie darüber streiten zu können. Die Kampagne #StopBILDSexism &#8211; wie auch viele andere feministische Organisationen und Einzelpersonen &#8211; hat sich immer entschieden gegen die Darstellung nackter Frauen in journalistischen Medien ausgesprochen, immer aber auch darauf hingewiesen, dass das sogenannte BILD-Girl nicht allein für den Sexismus der BILD-Zeitung steht, sondern beispielhaft für die gesamte sexistische und verzerrende Berichterstattung der Boulevardzeitung ist.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><br />
Boom boom Baby &#8211; Sexualisierung Minderjähriger und Frauen* als Sexobjekt<br />
</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"><a href="https://www.stopbildsexism.com/die-bild-studie/">In der 2017 veröffentlichten BILD-Studie</a> von #StopBILDSexism wird dies mit klaren Zahlen belegt. Während im Unterhaltungsressort etwa 50% der Berichterstattung auf Frauen entfällt, waren es im Wirtschafts- und Politikteil nur knapp 25%. Beim Sport waren es mit etwa 15% sogar noch weniger. Insgesamt betrafen nur 35% der Berichterstattung von BILD Frauen. Anders sieht die Verteilung bei der Darstellung nicht angezogener Personen aus. Hier sind Frauen unangefochten mit 64% in der Mehrheit. Und das ausgerechnet im Unterhaltungsressort, also dem Teil der Zeitung der nicht zum allergrößten Teil auf Männer entfällt. Auch ganz ohne BILD-Girl wird der Sexismus der Zeitung offenbar: Frauen und ihre Leistungen sind in allen Ressorts der Zeitung unterrepräsentiert. Frauen, die auf ihre Körper reduziert werden, sind stattdessen weit in der Überzahl.<br />
</span><span style="color: #000000;">Je weiter man an dieser Stelle ins Detail geht, desto mehr Abgründe tun sich auf. So schockiert die BILD-Zeitung immer wieder auch mit der <a href="https://www.stopbildsexism.com/2016/11/04/bum-bum-baby-wie-gro%C3%9F-du-geworden-bist/">Sexualisierung Minderjähriger.</a> Seien es die “gefährlich heißen Kurven” einer Siebzehnjährigen oder die Darstellung junger Frauen als lediglich schön anzusehende Deko, der Sexismus steckt bei der BILD nicht im Detail, sondern auf allen Seiten. Das gilt auch abseits der grafische Ebene, in den Texten der BILD. Unzählbar sind die Beispiele, der<a href="https://www.bild.de/unterhaltung/leute/david-garrett/sex-klage-gegenueberstellung-der-vorwuerfe-46186744.bild.html"> “Sex-Dramen”</a>, in denen es eigentlich im Vergewaltigung geht, oder der <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-06/sexismus-vergewaltigung-luder-medien-sprache-boulevardpresse">“Luder-Geschichten”</a>, in denen Frauen um ihre selbstbestimmte Sexualität beraubt und der Öffentlichkeit als willenlose Objekte präsentiert werden.</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-510 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/safs-300x289.jpg" alt="" width="480" height="462" /></p>
<h3><span style="color: #000000;"><br />
Zieh dich doch einfach selbst aus &#8211; bisherige Reaktionen der Bild<br />
</span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Die Redaktion der BILD-Zeitung übt Macht aus, jeden Tag. Indem sie entscheidet wer zu Wort kommt, wer in welcher Art und Weise sprechen, eine Botschaft verbreiten darf. Frauen sind dabei stark unterrepräsentiert. Sie erhalten weniger Möglichkeiten sich, ihre Lebensleistungen (siehe z.B. Sport) zu präsentieren, oder über Wünsche und Visionen zu sprechen. Stattdessen werden sie in der bildlichen Darstellung auf ihre Körper reduziert und in der Berichterstattung zu Objekten gemacht. Ist die Abschaffung des BILD-Girls nun also wirklich der Vorbote eines Kulturwandels bei Deutschlands größter Boulevard-Zeitung? Auch mit vorsichtiger Prognose muss das bezweifelt werden.<br />
Als Kristina Lunz vor drei Jahren die Petition startete, aus der StopBildSexism enstand, war Kai Diekmanns Reaktion, damaliger Chefredakteur der BILD, Kristina zu fragen ob sie nicht auch BILD-Girl werden will. Ralf Schuler, Mitglied der Bild-Parlamentsredaktion, gab damals schon zu die Frauen* die sich nackt zeigten, zu verachten. Auf die Frage wieso wieder eine erniedrigende Schlagzeile benutzt wurde, hierß es nur: &#8222;die Dame ist selbst Schuld.&#8220;<br />
</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-506 alignnone" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dieki-165x300.jpg" alt="" width="345" height="627" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dieki-165x300.jpg 165w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dieki.jpg 469w" sizes="(max-width: 345px) 100vw, 345px" /><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-502" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg" alt="" width="436" height="614" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg 213w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler.jpg 681w" sizes="(max-width: 436px) 100vw, 436px" /></p>
<p><span style="color: #000000;">Mit dem Wechsel in der Chefredaktion von Tanit Koch zu Julian Reichelt, hat sich der<a href="http://www.bildblog.de/73215/der-bild-mann-und-wir-brandstifter/"> Ton der Zeitung noch einmal verschärft.</a> Letztere bezeichnete die Aktivist*innen von #StopBILDSexism damals als “Selbsthilfegruppe” und sprach ihr damit das Recht und die Legitimität als produktive Kritik ab. </span><span style="color: #000000;">Wird sich das mit Julian Reichelt ändern? Wohl kaum. Denn im heutigen Statement wird die neue Richtung der BILD klar &#8211; erotische Bilder werden nun nicht mehr nur mit dem Willen der zumeist männlichen Leser gerechtfertigt, sondern gar mit der Meinungsfreiheit liberaler Gesellschaften verbunden. </span></p>
<h3>Jetzt erst recht</h3>
<p><span style="color: #000000;">Die Reaktion der BILD basiert sicherlich nicht auf einem neu gewonnen Verständnis was Sexismus anbelangt. Vielmehr ist dieser, auch noch so kleine Wandel, der Beweis dafür, was sich gerade gesellschaftlich verändert. Der öffentliche Druck durch Kampagnen und die Debatte um #metoo machen es immer schwerer die Degradierung von Frauen* zu legitimieren. Im Statement der BILD steht:<br />
</span></p>
<h4><span style="color: #000000;">“Aber natürlich dienen diese Fotos einem Hauptzweck. Sie sollen unterhalten, und zwar meistens Männer. Wir bei BILD glauben nicht, dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte (und natürlich auch nicht umgekehrt). Deswegen werden wir solche Fotos auch nicht mehr produzieren.” </span></h4>
<p><span style="color: #000000;">Der eigentliche Gewinn ist daher vielleicht nicht nur die Tatsache, dass es bald keine komplett nackten BILD-Girls zu sehen gibt. Sondern Zugeständnisse, welche die BILD nun öffentlich machen muss, denn Aussagen wie diese die zeigen, dass auch die BILD den gesellschaftlichen Wandlungsprozess nicht weiter ignorieren kann. Vielleicht stellt sich sogar allmählich ein Bewusstsein für das eigene Handeln ein. </span><span style="color: #000000;">Trotzdem ist das BILD-Girl nicht das Hauptproblem der BILD und wir werden sicherlich auch kein Abo abschließen. Denn auch ohne nacktes Bild-Girl produzieren Reichelt &amp; Co. täglich Sexismus und Rassismus. Und wir werden so lange weitermachen, bis eine Vergewaltigung nicht mehr “Sex-Skandal” genannt wird, bis alle Geschlechter endlich ernst genommen werden und bis niemand mehr diskriminiert wird. #StopBILDSexism macht weiter. Jetzt erst recht! </span></p>
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