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	<title>Online &#8211; Gender Equality Media e.V.</title>
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	<description>Gegen medialen Sexismus</description>
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		<title>Offener Brief: Der Kopf von Reichelt reicht uns nicht!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2021 11:25:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Sexistische Berichterstattung, Machtmissbrauch und Diskriminierungen in Redaktionen sind keine Einzelfälle. Die Recherchen deutscher Investigativ-Journalist*innen sowie die jüngsten Berichte der „New York Times“ brachten den „Bild“-Chef und Ober-Macker Julian Reichelt zu Fall. Doch das Problem hört hier nicht auf: Männer schützen Männer &#8211; immer wieder! Das alles ist viel größer, dahinter steckt ein System. Sexismus in den Redaktionen und Berichterstattung fängt &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Sexistische Berichterstattung, Machtmissbrauch und Diskriminierungen in Redaktionen sind keine Einzelfälle. Die <a style="color: #000000;" href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bild-chef-julian-reichelt-warum-er-gehen-musste-a-3a205fa3-9967-4803-8a32-c47e8a0ad227"><span style="color: #ff00ff;">Recherchen deutscher Investigativ-Journalist*innen</span></a> sowie die jüngsten <a style="color: #000000;" href="https://www.nytimes.com/2021/10/17/business/media/axel-springer-bild-julian-reichelt.html"><span style="color: #ff00ff;">Berichte der „New York Times“</span></a> brachten den „Bild“-Chef und Ober-Macker Julian Reichelt zu Fall. Doch das Problem hört hier nicht auf: Männer schützen Männer &#8211; immer wieder! Das alles ist viel größer, dahinter steckt ein System. Sexismus in den Redaktionen und Berichterstattung fängt bei Lokalzeitungen an und hört bei der BILD auf. Das muss sich ändern!<span id="more-1585"></span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Gender Equality Media veröffentlicht <span style="color: #ff00ff;"><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_.pdf" target="_blank" rel="noopener">Offenen Brief</a> </span>an deutsche Redaktionen und Verlage</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">In Redaktionsrichtlinien, Leitbildern oder Visionen sprechen sich fast alle deutschen Redaktionen für die Förderung von Diversität und den Abbau von Diskriminierung und Sexismus aus. Durch unsere jahrelange Arbeit, unsere wöchentlichen Medienscreenings und in direkten Gesprächen mit Journalist*innen und Medienschaffenden sowie auf Grundlage unserer <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Ergebnisse-Umfrrage-Bericherstattung-Gewalt-gegen-Frauen-1.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff00ff;">nicht-repräsentativen Umfrage</span></a> sind wir jedoch zu folgenden Beobachtungen gelangt:</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>1. Strukturell-patriarchale Probleme werden nicht benannt und eingeordnet.<br />
2. Die Zusammensetzung der Führungsebene und Redaktionen bildet nicht unsere Gesellschaft in all ihren Facetten ab.<br />
3. Freiheit und Neutralität kann im Hinblick von wirtschaftlichen Interessen nicht sichergestellt werden.</strong></span></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-1611 alignleft" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-300x300.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-1024x1024.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-150x150.jpg 150w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1-768x768.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-1.jpg 1080w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p><span style="color: #000000;">Faktenbasierter, qualitativer und freier Journalismus sind höchste Güter unserer demokratischen Gesellschaft. Der Einfluss von Medien und die damit einhergehende Verantwortung ist stärker denn je. ​Aber genau diese Verantwortung müssen Medien, Redaktionen und Journalist*innen auch wahrnehmen. In einem <span style="color: #ff00ff;"><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_-1.pdf" target="_blank" rel="noopener">Offenen </a><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_-2.pdf" target="_blank" rel="noopener">Brief</a></span> fordern wir deutsche Redaktionen auf, Stellung zu beziehen, im Sinne der Istanbul-Konvention zu handeln und systematische Diskriminierung jeglicher Art (durch transparente, nachverfolgbare Maßnahmen) abzubauen. Medien sind Teil und Lösung des Problems: Sie tragen einen Großteil zur Meinungsbildung bei und haben somit auch Verantwortung. Sie tragen einen Großteil zur Meinungsbildung bei und müssen entsprechend verantwortungsbewusst berichten. Dazu gehört auch, systemische Gewalt gegen Frauen in der Berichterstattung entsprechend einzuordnen. Nur wenn sie das tun und die Gewalt nicht verharmlosen, sondern als das benennen, was sie ist, können sie Verbündete sein. Hier: <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_-2.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff00ff;">Der Offene Brief zum Download.</span> </a></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Krasse Umfrageergebnisse bestätigen unsere Arbeit</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">In einer <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Ergebnisse-Umfrrage-Bericherstattung-Gewalt-gegen-Frauen-1.pdf"><span style="color: #ff00ff;">nicht-repäsentativen Umfrage</span></a> haben wir Medienkonsument*innen zur deutschen Berichterstattung zum Thema Gewalt gegen Frauen befragt. Die Ergebnisse sind sehr eindeutig: 0 Prozent der Befragten finden die Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen in Deutschland aussreichend. Auch die generelle Thematisierung und Einordnung von Gewalt gegen Frauen bemängeln rund 83 Prozent (61% eher Nein / 22% Nein) der Konsument*innen. Bei der Frage &#8222;Welche Themen im Bereich des intersektionalen Feminismus zu selten in den deutschen Medien thematisiert werden&#8220;, waren sich die Befragten auch einig. Nur um einige zu nennen: Femizide/Feminizide, Verknüpfung von Sexismus und Rassismus, Ableismus, Kapitalismuskritik, LGBTQ*-Feindlichkeit.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Die Berichterstattung von Gewalt gegen Frauen muss von allen Medien priorisiert und eingeordnet werden. Wenn Frauen umgebracht werden und/ oder Gewalt erfahren ist das kein Einzelfall oder ein Versehen, dahinter steckt ein patriarchales System. In unserem </strong></span><span style="color: #ff00ff;"><strong><a style="color: #ff00ff;" href="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_.pdf">Offenen Brief</a></strong></span><span style="color: #000000;"><strong> fordern wir daher alle Redaktionen auf: Stellt den Kampf gegen Gewalt an Frauen an höchste Stelle.</strong></span></p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-1614 size-large" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-1024x1024.jpg" alt="" width="1024" height="1024" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-1024x1024.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-300x300.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-150x150.jpg 150w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie-768x768.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2021/10/Offener-Brief_sharepics-Kopie.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
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		<title>„Der Hass sitzt in den Köpfen“ – im Gespräch mit Renate Künast, Anne Roth und Jasna Strick</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jul 2019 20:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Noch ganz geflasht vom NETTZ-Förderpreis für Engagement gegen Hassrede im Netz, steht schon ein weiteres Highlight bei uns an. Wir freuen uns mega, dass wir nach diesem schönen Event drei beeindruckende Aktivistinnen interviewen konnten: Renate Künast (Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen), Anne Roth (Referentin für Netzpolitik der Fraktion Die Linke im Bundestag) und Jasna Strick (Aktivistin und Autorin). Alle drei engagieren &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Noch ganz geflasht vom <a href="https://genderequalitymedia.org/gewonnen-was-wir-mit-dem-preisgeld-vorhaben-und-wie-sexismus-und-hate-speech-zusammenhaengen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETTZ-Förderpreis für Engagement gegen Hassrede im Netz</a>, steht schon ein weiteres Highlight bei uns an. Wir freuen uns mega, dass wir nach diesem schönen Event drei beeindruckende Aktivistinnen interviewen konnten: <a href="https://twitter.com/RenateKuenast" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Renate Künast</a> (Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen), <a href="https://twitter.com/annalist" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anne Roth</a> (Referentin für Netzpolitik der Fraktion Die Linke im Bundestag) und <a href="https://twitter.com/Tugendfurie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jasna Strick</a> (Aktivistin und Autorin). Alle drei engagieren sich auf verschiedene Weise für das Internet als Safe Space für Frauen*. Sie protestieren gegen digitale Gewalt gegen Frauen*, schreiben Texte oder Bücher über Hass im Netz und Feminismus und fordern lautstark Verbesserungen.</strong><span id="more-1183"></span></p>
<p>Sie pushen die öffentliche Debatte mithilfe von Bewegungen wie dem No Hate Speech Movement (Renate Künast), Vorträgen bei Events wie dem Chaos Computer Club (Anne Roth) oder durch die Initiierung und Verbreitung von Hashtags wie #aufschrei und #ausnahmslos (Jasna Strick). Mit Johanna sprachen sie über digitale Gewalt gegen Frauen*, Hassrede in den Medien, die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Gegenbewegungen und vieles mehr.</p>
<p><strong>Liebe Frau Künast, liebe Frau Roth, liebe Frau Strick. Wir haben uns bei einer Arbeitssession zum Thema “Internet als Safe Space für Frauen*” beim Community-Event von Das NETTZ kennengelernt. Warum muss das Internet für Frauen* sicherer werden?</strong></p>
<div id="attachment_1184" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1184" class="size-medium wp-image-1184" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Nettz_CE_Foto_Andi_Weiland-42-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Nettz_CE_Foto_Andi_Weiland-42-300x200.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Nettz_CE_Foto_Andi_Weiland-42-768x512.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Nettz_CE_Foto_Andi_Weiland-42-1024x683.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Nettz_CE_Foto_Andi_Weiland-42.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-1184" class="wp-caption-text">Johanna beim NETTZ Community Event in Berlin &#8211; Foto: Andi Weiland | Das Nettz</p></div>
<p><strong>Künast:</strong> Frauen und Mädchen sind überdurchschnittlich häufig von Hass und Gewalt im Netz, sogenannter &#8222;digitaler Gewalt&#8220;, betroffen. HateSpeech Cybergrooming, Doxing, Sexploiting oder Cyber-Stalking sind Teil dieser digitalen Gewalt gegen Frauen. Das Netz muss für Frauen sicherer werden, denn es ist unser gutes Recht uns auch hier ohne die Welle von Hass bewegen zu können.</p>
<p><strong>Strick:</strong> Das Internet muss nicht nur für Frauen sicherer werden, sondern für viele Menschengruppen. Dass das Internet ein diskriminierungsfreier Raum ist, ist leider ein Wunsch, der nie erfüllt wurde. Es gibt Rassismus, geschlechtsbezogene Gewalt, Homofeindlichkeit usw. und dagegen sprechen wir uns aus.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Für Frauen wie für alle anderen Menschen ist es wichtig, sich im Netz frei äußern zu können, ohne befürchten zu müssen, deswegen angegriffen zu werden. Das gehört zur Meinungsfreiheit und damit elementar zur Demokratie dazu. Wenn bestimmte Gruppen am öffentlichen oder semi-öffentlichen Diskurs nicht mehr teilnehmen, weil sie befürchten, angegriffen, beschimpft oder bedroht zu werden, dann haben wir als Gesellschaft ein Problem, und für die einzelnen Betroffenen ist das natürlich auch überhaupt nicht hinnehmbar.</p>
<h3><strong>Besonders Frauen, die ihre Meinung öffentlich darstellen, werden online angegriffen</strong></h3>
<p><strong>Sie sind als Politikerinnen, Autorinnen und Aktivistinnen Personen des öffentlichen Lebens. Wie präsent ist Hassrede in Ihrem beruflichen Umfeld? </strong></p>
<p><strong>Strick:</strong> Also Feminist*innen sind Hass ausgesetzt, seitdem es sie gibt. Der wurde früher häufiger analog ausgedrückt – hier lohnt zum Beispiel ein Blick in die Propagandamaterialien gegen Frauen, die für ihr Wahlrecht gekämpft haben. Heute sind eben viele Feminist*innen aktivistisch im Netz unterwegs und müssen sich mit Bedrohungen, Beleidigungen, Identitätsdiebstahl und viel mehr herumschlagen.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Als Referentin einer Bundestagsfraktion trete ich persönlich nicht viel in Erscheinung, deswegen erlebe ich das persönlich wenig. Aber natürlich beobachte ich solche Angriffe bei anderen viel, insbesondere bei Abgeordneten.</p>
<p><strong>Künast:</strong> Ich erfahre sie fast täglich in den sozialen Netzwerken auf Facebook und Twitter durch Menschen, die mich politisch und persönlich als Frau angreifen, statt sich sachlich mit meiner politischen Arbeit auseinanderzusetzen. Es ist erschreckend, welches Frauen- und Menschenbild bei manchen vorherrscht.</p>
<div id="attachment_1186" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1186" class="wp-image-1186 size-medium" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Jasna-Strick_FB_IMG_1563865291157-300x207.jpg" alt="" width="300" height="207" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Jasna-Strick_FB_IMG_1563865291157-300x207.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Jasna-Strick_FB_IMG_1563865291157-768x530.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Jasna-Strick_FB_IMG_1563865291157-1024x707.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Jasna-Strick_FB_IMG_1563865291157.jpg 1063w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-1186" class="wp-caption-text">Jasna Strick &#8211; Foto: privat</p></div>
<p><strong>Was genau hat sich in den letzten Jahren verändert? Sind Frauen* heute generell mehr Hass ausgesetzt als früher oder gibt es auch positive Entwicklungen?</strong></p>
<p><strong>Strick:</strong> Misogynie ist nichts Neues und das gilt auch für andere Formen von Hass. Ich bin keine Freundin davon, so zu tun, als wäre das Internet Schuld an solchen Denkmustern. Der Hass sitzt in den Köpfen.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Sexismus hat es immer gegeben, das sehe ich auch so. Mein Eindruck ist aber, dass sich die Situation im Netz doch sehr verändert hat, seit Soziale Medien selbstverständlich zum Alltag der meisten Menschen gehören. Solange das Netz ein verhältnismäßig überschaubarer Raum war, gab es mehr Akzeptanz bestimmter Regeln, der Netiquette, die es in Variationen in verschiedenen Netz-Sphären gab. Das hat nicht verhindert, dass in stark männerdominierten Räumen auch Sexismus akzeptiert wurde, und das Netz, als Ort vor allem für technikaffine Menschen, war eben auch zunächst vor allem von Männern bevölkert <b>–</b> also gab es dort fast überall auch mehr oder weniger starken Sexismus. Aber die Situation, die wir heute haben, dass es also für die meisten Frauen fast selbstverständlich dazu gehört, bei den banalsten Begegnungen von unbekannten Personen angegriffen zu werden, da sehe ich schon eine Veränderung.</p>
<p><strong>Künast</strong>: Die Hemmschwelle scheint in der Anonymität und durch den fehlenden persönlichen Kontakt im Netz offenbar niedriger. Aber es geht hier im Wesentlichen nicht um unorganisierte Einzelne, der Hass wird im Netz vielmehr strategisch eingesetzt. Von den Identitären bis zur AfD wird gezielt versucht, die demokratischen Institutionen und dort handelnde Personen abzuwerten, schlecht zu machen. Deren Ziel ist die Zersetzung der Demokratie und der Versuch Menschen zum Rückzug zu zwingen. Dieses Frauenbild erlaubt keine aktive Frauen. Das Wort dafür ist: Rechtsextremismus.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Positiv ist vielleicht, dass das mittlerweile den meisten klar ist, dass das stattfindet und eine sehr problematische Entwicklung ist. Das NetzDG löst das Problem überhaupt nicht, aber mir scheint, dass gerade viele Menschen auf der Suche nach sinnvollen Lösungen sind und das ist ja schonmal was.</p>
<h3><strong>Beratungsstellen und Frauenhäuser sind katastrophal unterfinanziert</strong></h3>
<p><strong>Jede dritte Frau* in Deutschland ist von sexualisierter Gewalt betroffen. Dies wird jedoch vielfach nicht als politisches, sondern als persönliches Problem der Betroffenen verstanden. Erleben wir bei Hass gegen Frauen* im Netz eine Wiederholung der Debatte? </strong></p>
<div id="attachment_1187" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1187" class="size-medium wp-image-1187" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Renate-Kuenast_Fotografin-Laurence-Chaperon-300x212.jpg" alt="" width="300" height="212" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Renate-Kuenast_Fotografin-Laurence-Chaperon-300x212.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Renate-Kuenast_Fotografin-Laurence-Chaperon-768x542.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Renate-Kuenast_Fotografin-Laurence-Chaperon-1024x723.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-1187" class="wp-caption-text">Renate Künast &#8211; Foto: Laurence Chaperon</p></div>
<p><strong>Künast:</strong> Im Netz zeigt sich, was leider immer noch vorhanden ist, wie viele glauben, es wäre ihr Recht, Frauen mit sexualisierter Gewalt zu drohen. Die Debatte ist also immer noch da. Und ich will es ganz klar sagen: Ich erwarte, dass die Männer sich dagegen auch erheben.</p>
<p><strong>Strick:</strong> Vielfach ist Onlinegewalt eine Fortführung von Gewalt, die offline bereits stattgefunden hat. Zum Beispiel, wenn die Täter*innen ehemalige oder aktuelle Beziehungspartner*innen sind. Wenn sie gegen Frauen, queere Personen oder Sexarbeiter*innen gerichtet ist, ist auch Gewalt im Netz stark sexualisiert. Da geht es dann zum Beispiel um Beschreibungen von sexualisierten Übergriffen oder das Verbreiten von Nacktbildern – teils echt, teils gefälscht.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Was sich auf jeden Fall wiederholt, ist das Wegsehen. Die Beratungsstellen und Frauenhäuser sind katastrophal unterfinanziert, und dasselbe sehen wir gerade beim Thema digitale Gewalt, gerade jenseits von HateSpeech. Es gibt kaum Ressourcen für kompetente Beratung zu digitalen Formen von Stalking, Überwachung, Lokalisierung, Revenge Porn, Identitätsdiebstahl usw. und bislang gibt es nicht mal repräsentative Studien oder Statistiken über das Ausmaß. Das ist völlig inakzeptabel, aber eben auch durchaus bekannt, wenn wir uns herkömmliche Formen von sexualisierter Gewalt ansehen.</p>
<p><b>Viele Frauen* dokumentieren HateSpeech und zeigen die Täter*innen an. Warum verlaufen dennoch so viele Anzeigen ins Leere?</b></p>
<p><strong>Künast:</strong> Der Rechtsextremismus hat sich gut geschult! Bewusst und systematisch werden &#8211; teilweise von Mehrfach-Accounts – Drohungen und Hass ausgesprochen, der exakt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Anmerkung: BGH) umgeht. Ich hoffe wir kommen demnächst dazu, dass der BGH sich mit solchen Fällen beschäftigen muss. Aber wir gehen jetzt auch den zivilrechtlichen Schritt, weil das früher eingreift. Die Initiative &#8222;HateAid&#8220; stellt Gelder für diese Prozesse zur Verfügung. Ich arbeite bei einigen meiner Fälle mit ihnen zusammen und hoffe, dass dadurch Geld in die Kassen kommt, mit dem andere dann unterstützt werden können.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Wenn HateSpeech angezeigt wird, fängt es schon damit an, dass Polizei und Staatsanwaltschaft das Problem oft nicht verstehen, nicht dafür ausgebildet sind, oft selbst keine vernünftige IT-Ausstattung haben und selbst wenn sie wollten, nicht die Mittel haben, das Problem nachzuvollziehen und zu verfolgen. Tatsächlich werden dann einzelne Beschimpfungen lediglich als Beleidigung erfasst und Untersuchungen /Ermittlungen sofort wieder eingestellt. Dass das massenhafte Vorkommen von Beschimpfungen und Bedrohungen aber ein ganz anderes Phänomen ist, wird dann überhaupt nicht verstanden. Es gibt Spezialdezernate für sexualisierte Gewalt und es gibt welche für IT-Sicherheit, aber keine, die beides und dazu noch andere Diskriminierungsformen im Blick haben und angemessen darauf reagieren.</p>
<p><strong>Strick:</strong> Genau, Gewalt im Netz wird noch nicht von allen wichtigen Stellen als Gewalt anerkannt. Ein weiterer Grund fehlender Anzeigen ist, dass es oft um Personengruppen geht, die es eh schwer haben Übergriffe gegen sie anzuzeigen. Viele Leute sehen sich ja auch auf Polizeidienststellen wieder mit Gewalt konfrontiert, zum Beispiel weil sie trans oder schwarz oder in der Sexarbeit tätig sind. Dann sind auch angeblich die Täter*innen so schwierig zu finden, sodass viele Anzeigen sehr schnell eingestellt werden.</p>
<h3><strong>Sexistische und diskriminierende Sprache ist ein Problem</strong></h3>
<p><strong>Hass im Netz hat oft anonyme Quellen. Boulevardblätter hingegen titeln freigebig von “Schlampen” oder “Ludern” und setzen Vergewaltigung anhand von Begriffen wie “Sex-Attacke” mit Sex gleich. In welchem Zusammenhang steht für Sie Hassrede zu sexistischer Berichterstattung?</strong></p>
<p><strong>Künast:</strong> Der Zusammenhang ist offensichtlich. Auch diese Art unterstützt und fördert die Auffassung, die Frauen zum Objekt herabwürdigt.</p>
<p><strong>Strick:</strong> Hass im Netz ist gar nicht zwingend anonym – viele schreiben Kommentare unter deren Namen, der auch in den Ausweisen stehen oder lassen bei E-Mails direkt die Signatur ihrer Arbeitsstelle stehen. Insgesamt ist es problematisch, wenn sexistische oder auch andere diskriminierende Sprache verwendet wird. Ich sehe da ein Henne-Ei-Problem, schließlich sind auch Boulevardblätter in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebunden. Ich würde das also größer betrachten und allgemein anprangern, dass es schlimm ist, welche Begriffe im Zusammenhang mit Frauen immer noch irgendwie okay sind und welche Zuschreibungen, auch zum Beispiel rassistischer Art, wieder sagbar geworden sind in den letzten Jahren.</p>
<h3><strong>Beleidigungen und Bedrohungen unter Klarnamen</strong></h3>
<p><strong>Bei beiden Problemen wehrt die Gegenseite Kritik damit ab, dass die Freiheit geschützt werden müsse – die Freiheit und ggf. Anonymität im Internet sowie die Pressefreiheit im Journalismus. Ist das der Deal; ein Entweder-oder?</strong></p>
<p><strong>Künast:</strong> Das darf kein Widerspruch sein. Manchmal denke ich, es mache Sinn, das einfach mal für ein paar Jahre umzudrehen. Die Männerwelt würde ausrasten.</p>
<div id="attachment_1188" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1188" class="size-medium wp-image-1188" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Screenshot92-300x199.png" alt="" width="300" height="199" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Screenshot92-300x199.png 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2019/07/Screenshot92.png 748w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-1188" class="wp-caption-text">Anne Roth bei Twitter &#8211; Foto: Screenshot</p></div>
<p><strong>Roth:</strong> Entweder-oder? Überhaupt nicht. Tatsächlich, das hat Jasna Strick schon gesagt, schreiben viele Autor*innen aggressive, beleidigende, bedrohende Nachrichten unter ihrem vollen Namen und rechnen überhaupt nicht damit, dass das vielleicht Folgen haben könnte. Hat es bisher ja auch in den seltensten Fällen. Hingegen ist die Option, sich anonym im Netz bewegen zu können, elementar für alle, die von Diskriminierung und darauf basierender Verfolgung betroffen sind: Sie könnten sich nämlich sonst noch weniger frei äußern.<br />
Worauf es aber kein Recht gibt oder geben darf, ist alles das, was im analogen Leben im Strafrecht bereits geregelt ist: Bedrohungen, Beleidigungen, Volksverhetzung, Nötigung, Veröffentlichung heimlich aufgenommener Bilder oder ihre Manipulation und noch viel mehr. Da hat selbstverständlich auch die Pressefreiheit ihre Grenzen.</p>
<p><strong>Zivilgesellschaftliche Initiativen wie #wirsindmehr oder Reconquista Internet setzen sich aktiv gegen Hassrede in sozialen Netzwerken ein. Wir von GEM kämpfen gegen sexistische Berichterstattung, als institutionalisierte Hassrede gegenüber Frauen* und LGBTIQ* Menschen. Welches Gewicht tragen solche Initiativen für Sie im Kampf für mehr Gleichberechtigung? </strong></p>
<p><strong>Künast:</strong> Wir brauchen diese Initiativen dringend zur gegenseitigen Unterstützung. Sie sind übrigens zwingender Bestandteil eines demokratischen Systems. Wenn die Zivilgesellschaft sich nicht mehr engagiert, wäre es 5 vor 12. Gerade deshalb müssen wir stets darauf hinweisen, was die Rechtsextremen und damit auch die AfD will: uns und damit die Demokratie mindestens mundtot machen.</p>
<p><strong>Strick:</strong> Viele der Initiativen, die sich gerade frisch gebildet haben, haben leider kein gutes Auge für Diskriminierungen und deswegen auch nicht für Gleichberechtigung. Sie setzen sich für ein besseres Diskussionsklima ein – das ist löblich. Trotzdem sind das jetzt nicht immer unbedingt Menschen, denen die Anliegen von Frauen, behinderten Menschen oder trans Personen an erster Stelle stehen. Ich finde es wichtig, hier immer wieder zu betonen: Hass kann eben nicht jede*n treffen, sondern ist meistens vor allem für ohnehin schon diskriminierte Gruppen ein Problem. Da fehlt es manchen Initiativen an einem Grundverständnis für die größeren Zusammenhänge. Umso froher bin ich natürlich über Gruppierungen, die sich explizit feministisch positionieren.</p>
<h3><strong>Rechte bedrohen aktiv Gleichberechtigung, Würde und Freiheit</strong></h3>
<p><strong>Welche anderen Akteur*innen sollten sich noch stärker in diesem Bereich engagieren?</strong></p>
<p><strong>Künast:</strong> Logisch, alle demokratisch gesonnenen Männer. Und endlich auch der Bundesinnenminister Seehofer. Er redet von Heimat – das heißt übrigens ohne Angst leben zu können.</p>
<p><strong>Roth:</strong> Das Netz gehört zum Leben und das wird so bleiben. Es ist Ort der öffentlichen Diskussion, es gehört zur Gesellschaft und damit muss es das Interesse von uns allen sein, dass alle gleichermaßen daran teilhaben können, denn sonst verabschieden wir uns von den grundlegenden Ideen, die unsere Gesellschaft als Leitideen prägen: Gleichberechtigung, Würde, Freiheit, auch Rechtsstaatlichkeit im übrigen. Natürlich müssen die immer wieder eingefordert und aktiv umgesetzt werden, online wie offline und gerade jetzt, wo sie von rechts so sehr in Frage gestellt werden. Daran müssen sich alle beteiligen, die das Feld nicht denen überlassen wollen, die jede Form von Diversität abschaffen wollen.</p>
<p><strong>Strick:</strong> Da es im Kampf gegen Onlinegewalt darum geht, sich für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einzusetzen, ist die Antwort ganz klar: alle.</p>
<p><strong>Das ist das Schlusswort. Frau Künast, Frau Roth und Frau Strick wir danken Ihnen für dieses Interview.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>K.O. Tropfen als Glühwein-Scherz &#8211; warum wir sexistische Medienmacher*innen direkt angehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2018 16:13:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#unfollowpatriarchy]]></category>
		<category><![CDATA[Activism]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ersten Monate unserer Kampagne #UnfollowPatriarchy haben verdeutlicht: sexistische Sprache ist allgegenwärtig, und das auch in den großen, seriösen Blättern. Das liegt vor allem daran, dass unsere Medienlandschaft noch kaum sensibilisiert ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich ein paar  der größeren Medienhäuser doch einsichtig zeigen, und auf unsere Anfrage hin sexistische Schlagzeilen sowie Texte korrigieren. Dennoch stellen wir fest: &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><i>Die ersten Monate unserer Kampagne #UnfollowPatriarchy haben verdeutlicht: sexistische Sprache ist allgegenwärtig, und das auch in den großen, seriösen Blättern. Das liegt vor allem daran, dass unsere Medienlandschaft noch kaum sensibilisiert ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich ein paar  der größeren Medienhäuser doch einsichtig zeigen, und auf unsere Anfrage hin sexistische Schlagzeilen sowie Texte korrigieren. Dennoch stellen wir fest: das Patriarchat ist kein Flüchtigkeitsfehler, sondern hat System und vor allem eins, feste Akteure. Besonders negativ sind in den vergangen Wochen Medienmacher*innen aus Bayern aufgefallen. </i><i><br />
</i></span><br />
<span style="color: #000000;">Sind sexistische Nachrichten, die Verharmlosung von Gewalt, die erniedrigende Darstellung von Frauen*auch im Jahr 2018 noch unbeabsichtigt? Ist Unwissen die Ursache, dass  die Medienlandschaft für diese Belange noch nicht ausreichend sensibilisiert ist? An Information mangelt es eigentlich nicht: Artikel darüber, dass “Familiendrama” ein falscher Begriff ist, gibt es wie Sand am Meer. Fakt ist also, dass im geringsten Fall Unwissen der Grund für Sexismus ist. Unsere langjährigen Arbeit beweist stattdessen, dass Sexismus in vielen Redaktionen System hat. Viele scheinen zu glauben, mit sexistischer Berichterstattung ließe sich gut Geld machen &#8211; und ignorieren dabei die gesellschaftlichen Konsequenzen wie Herabwürdigung, Diskriminierung, sexuelle Belästigungen und Gewalt, die ihre Artikel befördern. Das alles haben wir satt. Aus diesem Grund haben wir <i>#UnfollowPatriarchy</i> gestartet.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;">#unfollowpatriarchy &#8211; weil Sexismus ein Gesicht hat</span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Unser Team screent täglich 14 Online- und Print-Medien und sucht das Netz nach festgelegten Schlagworten ab &#8211; wie zum Beispiel dem Begriff “Familiendrama”. Finden wir einen problematischen Begriff, kontaktieren wir zuerst die Redaktion, beziehungsweise die verantwortlichen Medienmacher*innen selbst. Dabei dokumentieren wir die Reaktionen: wer etwas ändert, wer sich gegen eine Verbesserung stellt, wann eine Antwort kam, und vor allem welche. So werden wir arbeiten wir nach und nach heraus, welche Redaktionen den medialen Sexismus in Deutschland aufrechterhalten, und damit aktive Unterstützer*innen des Patriarchats sind. Unsere Ziele sind daher zum einen zu definieren, wer aus Unwissen Sexismus (re)produziert, um dort Hilfestellung für Veränderungsprozesse zu leisten. Zum anderen wollen wir aber vor allem klarstellen, wer aus Profitgründen und chauvinistischer Denke gar kein Interesse hat etwas ändern, und diese Akteure in den öffentlichen Fokus stellen. Auf diese Weise bekämpfen wir mit <i>#UnfollowPatriarchy</i> sexistische Berichterstattung direkt an der Wurzel, und zwar bei den Personen, die diese Schlagzeilen produzieren und/oder zu verantworten haben. In vielen Fällen konnten wir so schon direkt Einfluss auf sexistische Berichterstattung nehmen.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b>Das Hauptproblem: “Sex” statt Vergewaltigung, “Familiendrama” statt Mord. Aber auch langsame Einsicht.  </b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">“Sex-Falle”, “Sex-Attacke”, “Sex-irgendwas” &#8211; die Wortkombinationen, in denen “Sex” synonym mit “Vergewaltigung” verwendet werden, sind endlos. In den Redaktionen scheint sich ein Automatismus gebildet zu haben, über den kaum nachgedacht wird. Dabei entsteht ein gefährliches Bild: Vergewaltigung als Sex zu bezeichnen ist (im besten Fall) die Annahme der Täter*innenperspektive. <a style="color: #000000;" href="https://genderequalitymedia.org/warum-vergewaltigung-kein-sex-ist/">Vergewaltigung ist eine Gewalttat,</a> Sex hingegen etwas Einvernehmliches zwischen Personen, die fähig sind für sich zu entscheiden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nadia Murad wurde als Jesidin von den IS gefangen gehalten und vergewaltigt, nun erhielt die irakische Menschenrechtsaktivistin den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit. Am 10. Dezember 2018 berichtete der SWR und bezeichnete Murad &#8211; ähnlich wie die Bild-Zeitung &#8211; als “Sex-Sklavin”.</span><br />
<b></b></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #000000;">Unser Team setzte sich gleich mit der Redaktion in Verbindung, die zuerst die Begriffswahl verteidigte.</span> <span style="color: #000000;">Nach Erläuterung unsererseits, zeigte sich der SWR jedoch einsichtig, und bedankte sich für die Intervention und korrigierte die Stellen.</span><span style="color: #000000;"><b><br />
</b><b><br />
</b>Auch die Auslassung des Begriffs “Vergewaltigung” ist ein Problem &#8211; wenn eine Frau* sich gegen einen Mann wehren muss, der sie vergewaltigen will, ist das versuchte Vergewaltigung und kein “Streit mit einer Freundin”.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #000000;">Wir twitterten an die Redaktion der Ostsee-Zeitung und den verantwortlichen Redakteur Andreas Ebel, der sich ebenso bedankte und auch sofort den Titel änderte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Bei der WAZ korrigierte man ebenso sofort &#8211; und entfernte nach unserem Hinweis den Begriff aus “Sex-Attacke” aus dem Text.</span><br />
<span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1051" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/9z.jpg" alt="" width="310" height="279" /><br />
</span><span style="color: #000000;">Auch die Kieler Nachrichten reagierten, als wir &#8222;Sex-Vorfall&#8220; kritisierten. Die Unterstützung unserer follower*innen war hier sicher nicht unwichtig.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Unsere Medienlandschaft ist patriarchal geprägt, und so werden schädliche Begriffe oft unbewusst übernommen, wie diese Beispiele gezeigt haben. Sexismus erhält sich nun aber nicht durch reine Ausrutscher. Warum Vergewaltigung kein Sex sein soll? Wieso K.O.-Tropfen nicht lustig sind? Warum 156 Tötungen von Frauen* Mord sind und kein Beziehungsstreit? Das wollen einige nicht einsehen. Zudem gibt es Menschen, die diese Ungleichstellung erhalten wollen, weil man aus ihr Profit schlagen kann. Und ach ja, weil man die eigene Vormachtsstellung nicht verlieren will. In unserem letzten Screening war dies verstärkt in Bayern der Fall, sowohl in  großen Tageszeitungen als auch Lokalblättern.</span><br />
<b></b></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b>K.O.-Tropfen Scherze, Familendramas und Taxis als “Sex-Fallen”: Das Leid der Frauen als Entertainment in Bayern<br />
</b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Am 5.11. erschien im Merkur und der tz in München ein Artikel über einen Mord in Fürstenfeldbruck. Im Text fand sich öfter der Begriff “Familiendrama”. “Familiendrama” ist der beliebteste Begriff, wenn es um die Ermordung einer Frau durch einen Bekannten geht, also egal ob Ehemann, (Ex-)Freund oder (abgewiesener) Bekannter. Handelt es sich um muslimische Täter, wird der  Begriff “Ehrenmord” plötzlich wie selbstverständlich benutzt. “Ehrenmord” definiert ganz klar: wird hier eine Frau* ermordet, hat dies System, das Motiv ist der verletzte männliche Stolz. “Familiendrama” hingegen kommuniziert dieses männliche Problem nicht. Synonym dafür wird auch “Beziehungsdrama” verwendet, kommuniziert wird dabei weder ein Männlichkeitsproblem in Deutschland noch der Fakt, dass jeden dritten Tag in Deutschland ein Mann eine Frau* tötet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wir sprachen die Zeitung auf den Begriff an. Weder Kathrin Garbe, die Autorin des Artikels, noch die Redaktion haben sich dazu bis heute geäußert<b><br />
</b><br />
</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ein weiterer Mordfall und ein weiterer Fall von Uneinsichtigkeit beim Bayerischen Rundfunk. Unsere Anfrage blieb auch hier unkommentiert.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mitte November gab es dann einen weiteren Fall der durch die Schlagzeilen ging. Eine Frau wurde in München von einem Mann, der sich fälschlicherweise als Taxifahrer ausgab, vergewaltigt. Wieder gab es eine problematische Schlagzeile bei der tz München. Das Taxi danach als “Sex-Falle” zu bezeichnen? Für die Redaktion offensichtlich kein Problem, auch nicht auf unsere Nachfragen hin.</span></p>
<p><b></b><span style="color: #000000;"><b></b>Nach unserer Erläuterung gab es aber &#8211; im Gegensatz zum letzten &#8211; zumindest erst einmal Einsicht, und das Versprechen der Weiterleitung der Nachricht. <b><br />
</b></span></p>
<h3></h3>
<h3></h3>
<p><span style="color: #000000;">Da keine Antwort kam, meldeten wir uns erneut. Ansage diesmal: nicht zuständig.</span><br />
<span style="color: #000000;"><b><br />
</b></span></p>
<h3></h3>
<p><span style="color: #000000;">Auch nach mehrmaligem Nachfragen gab es nichts weiter als eine Info-Nummer. Für print sind wir nicht zuständig. Nahbare Zeitung? Fehlanzeige. Verantwortungsvoller Diskurs? Sieht anders aus. Neben der Uneinsichtigkeit des Web-Teams &#8211; auch andere Menschen hatten den Fall in den Sozialen Medien thematisiert &#8211; zeigt sich hier vor allem ein Mangel an Kompetenz was Diskursfähigkeit anbelangt. Zudem wurde die Sache umso fragwürdiger, da wir im Fall der &#8222;Familiendrama&#8220; &#8211; Schlagzeile, die eben in einem online- und nicht print-Artikel stand, gar keine Reaktion erhalten haben. Über eine telefonische Kontaktaufnahme sehen wir daher erst einmal ab &#8211; was telefonisch besprochen wird, kann man hinterher schwer nachweisen. Stattdessen fassen wir nach den Feiertagen nochmal per Schreiben nach.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ignoranz, Desinteresse, das finden wir aber nicht nur in der Lokalpresse wieder. Im November schickte uns ein Follower einen Hinweis aus der Printversion der Süddeutschen Zeitung. Der Artikel handelte eigentlich von Glühwein. Der Autor, Werner Bartens, fand es besonders lustig die Wirkung von Zucker und Alkohol mit der von K.O.-Tropfen zu vergleichen.</span><br />
<span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1064" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/23z.jpg" alt="" width="428" height="513" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wir wollten von dem Journalisten wissen, wie es denn zu so einem “Scherztitel” kommen kann in Zeiten von #MeToo. Die Antwort blieb aus, das einzige plus: online war diese Schlagzeile nicht zu finden. Woran das wohl liegen lag?</span><br />
<span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1065" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/24z.jpg" alt="" width="278" height="228" /> </span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b><br />
Keine Ausrutscher, sondern Sexismus mit System</b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Die Existenz von medialem Sexismus, ist mittlerweile in den Köpfen vieler Menschen und auch in vielen Redaktionen angekommen. Jedoch herrscht Uneinigkeit darüber, wie dem begegnet werden soll. Mit mehr Medienkritik und besserer Aufklärung? In der Tat ist es unser Ziel, gendersensible Berichterstattung so in den Fokus zu rücken, dass unsere Arbeit obsolet wird. Neben unserer aktivistischen Arbeit bieten wir den Redaktionen daher auch Workshops an. Aber wir glauben auch, dass Sexismus nicht einfach verschwinden wird, wenn man nur gut und oft genug darüber aufklärt. Denn es gibt einfach zu viele Menschen, die davon profitieren. Wie bei jeder Form von Unterdrückung kann diese nur bekämpft werden, wenn man auch direkt an die Verursacher*innen und die Profiteur*innen des Problems geht. Viel elementarer für unsere Kampagne ist daher vor allem die Sammlung und Dokumentation einzelner Medienmacher*innen, die offensichtlich den Luxus haben, nicht von sexistischer Diskriminierung betroffen zu fühlen. Wer K.O.-Tropfen lustig findet, wer kein Problem darin sieht Vergewaltigung als Sex zu titulieren, es gut findet diese Gewalttaten in vermeintlich unterhaltende Wortkombinationen zu stecken, der ist nicht nur am Erhalt von Sexismus beteiligt, sondern formt ihn maßgeblich mit.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><b>Wer den Gegner nicht benennen kann, kann ihn auch nicht bekämpfen</b></span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Darum werden wir es in den Fällen der Süddeutschen Zeitung und tz München nicht mit Dokumentation ihrer Sexismen belassen. Dort hat man sich dazu entschieden nichts zu korrigieren, manchmal nicht einmal zu re-agieren. Auf Gleichberechtigung zu verzichten, die Unterdrückung anderer zu negieren, das ist ein Privileg das sich sexistische Medienmacher*innen einfach herausnehmen, die Folgen haben andere zu tragen. Studien belegen dabei den Zusammenhang zwischen sexistischer Berichterstattung und Gewalt gegen Frauen* zuhauf. Wenn wir nachhaltig etwas verändern wollen, müssen wir genau nachfragen, worin denn das Problem für diese Personen liegt, über alle Menschen gleichermaßen respektvoll zu schreiben. Setzen wir uns dieser Konfrontation nicht aus, dass wir Menschen unter uns haben die den Wandel gar nicht wollen, wenn wir den Ursprung des Problems nicht benennen, können wir auch kaum etwas ändern. “Aufklärungsfeminismus”, also um Wandel bitten, statt auf Gerechtigkeit zu bestehen, reicht nicht. Gerechtigkeit wird einem nie gegeben, man muss sie sich erkämpfen. Mit <i>#unfollowpatriarchy</i> wollen wir genau hier ansetzen, und diese zweifelhafte Privilegstellung angreifen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8222;The Vagina Bible&#8220; oder was Instagram mit Empowerment zu tun hat &#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Dec 2018 11:15:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[instagram]]></category>
		<category><![CDATA[thevaginabible]]></category>
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					<description><![CDATA[Agnes Hunyadi ist die Initiatorin von The Vagina Bible, eines der größten Blogazine zu Popfeminismus und Empowerment im deutschsprachigen Raum. Wir haben uns gefragt: Was hat Instagram eigentlich mit Empowerment zu tun und was treibt Agnes ganz persönlich an? Wir haben mit ihr gesprochen. &#160; Wir folgen Dir schon seit längerem und finden Deinen Content und Deine Initiative irre gut. &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Agnes Hunyadi ist die Initiatorin von The Vagina Bible, eines der größten Blogazine zu Popfeminismus und Empowerment im deutschsprachigen Raum. Wir haben uns gefragt: Was hat Instagram eigentlich mit Empowerment zu tun und was treibt Agnes ganz persönlich an? Wir haben mit ihr gesprochen.<br />
</em><span id="more-1025"></span></p>
<div id="attachment_1027" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1027" class="wp-image-1027 size-large" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-59-06-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-59-06-1024x683.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-59-06-300x200.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-59-06-768x512.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-59-06.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-1027" class="wp-caption-text">Foto: The Vagina Bible, Agnes Hunyadi</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wir folgen Dir schon seit längerem und finden Deinen Content und Deine Initiative irre gut. </b></p>
<p>Dankeschön! Und die Freude ist ganz meinerseits. Ich beobachte euch schon seit den Anfangstagen und kann euch nur gratulieren, was ihr schon die Beine gestellt habt und ich bin schon sehr gespannt, was ihr noch schaffen werdet. Dass ich ein Teil davon sein darf, freut mich sehr &lt;3.</p>
<p><b>Erzähl doch mal, was bewegte Dich dazu, das Projekt &#8222;The Vagina Bible&#8220; zu starten und was sind Deine Anliegen dabei? Was sind die Inhalte? </b></p>
<p>Das Projekt ist noch recht jung und ich hatte damals die Social Media Kanäle von The Vagina Bible (kurz: TVB) neben einem stressigen Vollzeitjob und parallel zu vielen anderen feministischen (offline) Projekten gestartet. Es ging aber sehr schnell und plötzlich war es das größte Blogazine zu Popfeminismus und Empowerment im deutschsprachigen Raum. Mittlerweile melden sich auch viele Menschen weltweit und ich bin froh, zu helfen und online zu beraten. Hoffentlich wird auch die Website bald fertig und ihr könnt euch auf viele tolle Aktionen freuen.</p>
<p>Der Grundgedanke war damals, intersektionalen (Pop-)Feminismus in deutschsprachigen Ländern mehr Raum zu geben. Dazu kann man mir auf Facebook folgen, wo ich eher Content aus der DACH Region poste, der mit gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun hat und Auswüchse von Ungerechtigkeiten oder Ungleichheiten zwischen allen Geschlechtern aufzeigt. Auf Instagram, wo ich oftmals humoristisch versuche, tiefer in die Materie einzugehen, versuche ich zu empowern und Frauen* zu stärken. Für mich beginnt #genderequality bei jede*r zu Hause vor dem Spiegel. Der Umgang mit Dir selbst, wie Du mit Dir und deinem Körper sprichst und Dir begegnest, ist ausschlaggebend dafür, wie wir anderen Menschen begegnen, welche Normen wir vorausschicken und am Ende des Tages, wie wir mit anderen kommunizieren.</p>
<p><b>Was ist deine Motivation?</b></p>
<p>Als Diplom-Psychologin will ich mit TVB aufzeigen, wie wir uns gegenseitig motivieren können (#endgirlhate). Neben dem möchte ich, dass wir die imperativen Vorstellungen von gesellschaftlichen Rollen endlich mal hinter uns lassen. Denn sie haben im Laufe der Zeit nur die Aufschrift am Etikett geändert, aber kommen aus der gleichen Ecken und wirken auf Frauen* und Männer* mit den gleichen Mechanismen. Ich möchte schädliche Konstrukte und Erziehungsmodelle aus den Köpfen aller rausbekommen, damit wir frei entscheiden können, wie wir unser Leben lebenswerter gestalten können. Ohne Labels, wie wir zu sein haben, möchte ich Wissen und Werkzeuge bereitstellen, damit wir über unser Denken und Handeln frei reflektieren können. Diesen Weg gehe ich aber mit den Follower*innen gemeinsam, denn ich will meine Perspektiven challengen und möchte selbst noch laufend dazulernen. Denn was ist schon eine “richtige Frau*”? Was ist überhaupt weiblich? Do what the fuck you want, queens!</p>
<div id="attachment_1034" style="width: 761px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1034" class="size-large wp-image-1034" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111932-1-751x1024.png" alt="" width="751" height="1024" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111932-1-751x1024.png 751w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111932-1-220x300.png 220w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111932-1-768x1047.png 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111932-1.png 1025w" sizes="(max-width: 751px) 100vw, 751px" /><p id="caption-attachment-1034" class="wp-caption-text">Foto: Screenshot Instagram, The Vagina Bible</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wie definierst Du persönlich &#8222;Feminismus&#8220;?</b></p>
<p>Feminismus ist ein Sammelbegriff für verschiedene Richtungen und Weltanschauungen. Diesen bunten Blumenstrauß von radikalen bis liberalen Feminist*innen, von queeren bis biologistischen, von ProPorn bis Anti-Porn oder von akademischen bis aktionistischen Feminist*innen zusammen zu halten ist eine enorme Herausforderung. Als Feminismus-Influencerin der 4. Welle bedeutet Feminismus für michs Chancengleichheit aller Geschlechter und das Einstehen für eine faire und lebenswerte Gesellschaft für alle. Mein Feminismus lässt Frauen* tun was und sich kleiden, wie sie es wollen. Kämpft Schulter an Schulter mit allen, nicht nur mit Cis-ters, und gebt das Mikrofon an andere ab, die nicht so oft zu Wort kommen. Dieser Feminismus muss sich auch die Frage gefallen lassen, wie die Gesellschaft Frauen* weltweit in Gedanken und Handlungen​​ ​​benachteiligt und kann sich daher nicht auf die jeweiligen Länder begrenzen.</p>
<p>Besonders auf Instagram bin nur ich ein kleines gallisches Dorf, wenn meine Beiträge gerade mal 1 Million mal pro Woche gesehen werden. Die #TVBfamilie ist eine kleine, aber starke Community, die von Tag zu Tag größer wird.</p>
<p>Ich will dort Bilder und Klischees zu Körpern und Äußerlichkeiten sprengen um den Tonnen von unrealistischen und krank machenden Schönheitsidealen auf Instagram entgegen zu stehen (#effyourbeautystandards).</p>
<p><b>Bist Du Idealistin? </b></p>
<p>Den (unrealistischen) Idealismus meiner Teenagertage habe ich leider hinter mir gelassen. Ich war eine starke Sozial-Romantikerin und es wollte mir nicht einleuchten, warum so viel Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen bei uns aber auch weltweit herrschen. Heute bin ich etwas geläutert, meine Studien und Weiterbildungen und meine sozialen Engagements haben mich verändert. Viele Mechanismen habe ich durchschaut, andere akzeptiert und manche Strukturen, die sehr einfach zu bekämpfen sind, will ich aktiv angehen und alle einladen mitzumachen. Also, ein bisschen Idealismus ist sicher noch da, ich weiß nur eher, wo Grenzen bestehen und wann Einladungen keinen Sinn mehr machen.</p>
<p><b>Wie gehst du mit Rückschlägen und Verletzungen um? </b></p>
<p>Rückschläge gab es bisher keine, aber mein Start mit TVB war sehr holprig und ich wurde von Feminist*innen sehr viel angefeindet. Bis heute bekomme ich genauso viele Hassnachrichten von Sexist*innen oder misogynen Menschen, wie auch aus dem vermeintlich „inneren Kreis“. Von queeren Feminst*innen wurde ich aufgrund des Projektnamens TVB als TERF beschimpft und angefeindet, von radikalen Feminst*innen bin ich aufgrund meines liberalen Feminismus belächelt, (ungefragt) belehrt und forsch zurechtgewiesen worden.</p>
<p>Ich kann immer wieder nur dazu aufrufen, dass wir uns alle auf Augenhöhe begegnen. Ich verweise da immer auf das Konzept der gewaltfreien Kommunikation, da Social Media im Speziellen, aber digitale Kommunikation im Allgemeinen, an jeder Ecke für Missverständnisse Fallen bereitstellt.</p>
<p><b>Was denkst du, wie lange brauchen wir noch, bis wir in einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft angekommen sind ? </b></p>
<p>Der Global Gender Gap Report vom Weltwirtschaftsforum hat 2016 die Gleichstellung der Geschlechter in 170 Jahren prognostiziert, 2017 sind es bereits 217 Jahre. Diese Rückwärtsentwicklung sehen wir an Kinderspielzeug oder Kleidung gut, da diese früher nicht in rosa und blau getrennt waren. Besonders perfide empfinde ich Lebensmittel wie Chips für Frauen* oder Taschentücher für Männer* &#8211; wo hört das bitte endlich auf?</p>
<p>Und obwohl ich weiß, dass viele Feminist*innen schon müde sind, wie ich selber: Wir müssen wir uns leider gedulden, denn wir reden von patriarchalen Strukturen, die hunderte bis tausende Jahre gewirkt haben. Frauen* und Männer* kommen weder von anderen Planeten, noch sind sie im Verhalten und Denken nach allen gängigen Studien grundsätzlich unterschiedlich. Im Gegenteil, uns eint mehr, was uns trennt. Ergo gibt es keinen Grund dafür, dass Macht, Ressourcen, Geld und unentgeltliche Arbeit so unterschiedlich verteilt sind in der Gesellschaft. Gehen wir es an!</p>
<div id="attachment_1036" style="width: 819px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1036" class="wp-image-1036 size-large" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111907-2-809x1024.png" alt="" width="809" height="1024" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111907-2-809x1024.png 809w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111907-2-237x300.png 237w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111907-2-768x972.png 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Screenshot_20181218-111907-2.png 1079w" sizes="(max-width: 809px) 100vw, 809px" /><p id="caption-attachment-1036" class="wp-caption-text">Foto: Screenshot Instagram, The Vagina Bible</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Es gibt nichts Gutes, außer man tut es: Was kann jede*r Einzelne dafür tun, dass weniger Diskriminierungen stattfinden? </b></p>
<p>Alles beginnt damit, dass man sich der eigenen Privilegien bewusst wird. Und dies am besten in allen Lebensbereichen. Daher lest viel, hört Podcasts, schaut euch Videos an und beginnt damit euer engsten Umkreis für Inhalte zu sensibilisieren. Der Teufel liegt bekanntermaßen im Detail und es können bereits kurze Gespräche oder Diskussionen die Welt von manchen nachhaltig verändern. Werdet aktiv, mischt euch ein, werdet laut, wenn notwendig, und das nicht nur in eurem Familien- oder Freund*innenkreis, sondern auch wenn ihr was auf der Straße beobachtet oder euch im Job auffällt. Jede*r einzelne der Gesellschaft trägt Verantwortung und dieser müssen wir nachkommen. Das Private ist schon längst politisch und mit Augen verdrehen wurde noch nichts verändert. Diese Verantwortung bedeutet aber auch, dass wir mit jenen Menschen in den Diskurs gehen, die augenscheinlich am anderen Ende des Meinungskontinuums liegen. Fatal finde ich, diesen Menschen von oben herab zu begegnen. Auch jenen Menschen, die sich vermeintlich als Feminist*innen bezeichnen, aber vieles nicht fertig denken. Schenken wir Ihnen Zeit, Kraft und Wissen, denn wie wollen wir sonst für ein Lauffeuer der Veränderung sorgen?</p>
<p><b>Woher nimmst du deine Inspirationen?</b></p>
<p>Mein Partner und mein Umfeld holt mich oftmals aus der Feminismus-Bubble raus und dafür bin ich sehr dankbar. Gelebte Wirklichkeiten sind sehr komplex und oftmals ein weiter Graubereich. Als Feministin 4.0 ist meine Quelle zum Gutteil aber im Social Media zu finden. Da kann ich jede*r die Empfehlung geben kleinen Accounts zu folgen, die euch nicht vordergründig irgendwas verkaufen wollen. Es gibt so viele junge Menschen, die Wissen und Informationen liefern, wie @fembroidery, @yugodeinesvertrauens, @ffabae, @immer.mxde und viele mehr. Herzlichen Dank auch auf diesem Weg dafür! Und wenn euch manche Inhalte aufrütteln oder an eure Grenzen bringen: ja, es tut kurz weh, wenn beispielsweise das Privilegien-Pflaster als Spiegel vorgehalten und dann ruckartig abgerissen wird, aber anders können wir uns nicht weiterentwickeln. Geht die Extrameile!</p>
<p><b>Hast du einen Buchtipp? </b></p>
<p>Schwierige Frage. Meine Leseliste ist bereits ellenlang und wird von Monat zu Monat noch länger. Richtige Pageturner und Klassiker der Fem*Literatur sind so ziemliche alles von Laurie Penny, Margarete Stokowski und Chimamanda Ngozi Adichie. Auf meinem Bücherstapel neben dem Bett ist ganz oben „Why I’m No Longer Talking to White People About Race“ zu finden und ich glaube, dass jede*r diese Buch lesen sollte!</p>
<p>Zwei tolle Neuerscheinungen möchte ich auch jede*r ans Herz legen: die tolle Hanna Herbst hat über Feminismus geschrieben („Feministin sagt man nicht“) und die Sorority haben einen wunderbaren Band zusammengestellt, der uns helfen soll bei Gesprächen gut zu kontern („No More Bullshit).</p>
<div id="attachment_1026" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1026" class="wp-image-1026 size-large" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-58-53-1024x871.jpg" alt="" width="1024" height="871" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-58-53-1024x871.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-58-53-300x255.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-58-53-768x653.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/photo_2018-11-06_13-58-53.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-1026" class="wp-caption-text">Foto: The Vagina Bible, Agnes Hunyadi</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir hier und jetzt wünschen? </b></p>
<p>Was für eine gute Frage! Die Auswahl auf drei fällt wirklich schwer, aber ich versuche bei den Wünschen mal gesamtgesellschaftlich zu denken:</p>
<p>Bildung, Bildung, Bildung: Ich würde mir zuerst die dringend notwendige und schon ewig ausstehende Schulreform wünschen, die nicht nur zeitgemäßen Methoden der Wissensaneignung ermöglicht, sondern auch moderne Inhalte vermittelt. Schule, so wie wir sie kennen, hat sich in über 100 Jahren nicht verändert. Ich wünsche mir Schulbücher, die fernab von Stereotypen arbeiten und allen Schüler*innen Perspektiven bieten. Ich höre oft, dass erst beginnend mit der Schullaufbahn die starke Trennung zwischen Mann* und Frau* geebnet wird. Das muss aufhören!</p>
<p>Make kindness great (again)! Könnten wir bitte nicht Macht verherrlichen, sondern Held*innen des Alltags zu Vorbildern machen? Als Anhängerin der positiven Psychologie würde ich mir wünschen, dass Kinder und junge Erwachsene Karmapunkte anstatt Likes auf Social Media sammeln. Ich will T-Shirts mit der Aufschrift „You CAN sit with us“ sehen und Großzügigkeit und Warmherzigkeit zu einer erstrebenswerten Tugend machen. Deswegen be nice, it&#8217;s the new cool 🙂</p>
<p>Grundeinkommen für schutzbefohlene Gruppen: Die Statistiken sprechen eine traurige und schockierende Sprache. Frauen* verdienen im Schnitt 20% weniger, Alleinerziehende und deren Kinder, müssen an der Armutsgrenze oder darunter ihr Leben bestreiten und am Ende erhalten Frauen* noch 40% weniger Pension als Männer*. Ich würde mir wünschen, dass Regierungen jenen Gruppen ein Leben ermöglicht, das lebenswert und würdevoll ist. Wir wissen, dass Armut nicht nur vererbt wird, sondern der Nährboden für Stress, Krankheiten und Gewalt ist. Sie schürt Hass und Missgunst. Sie sucht nach Sündenböcken und schafft eine Stimmung, die Angst als Motor antreibt. Eine ängstliche Gesellschaft kann nichts Gutes hervorbringen und lässt uns zu unzufriedene Robotern in unseren quadratischen Nestern vereinsamen. Könnten wir das für ein und für allemal abschaffen?</p>
<p><em>Die Interviewfragen stellte Chrissi.</em></p>
<p><strong>Für mehr feministische Kunst, Aktivismus und Empowerment in Social Media: Folgt unbedingt &#8222;The Vagina Bible&#8220; auf <a href="https://www.instagram.com/thevaginabible">Instagram</a> und <a href="https://www.facebook.com/TheVagBible/">Facebook</a>.</strong></p>
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		<title>Die Dinge beim Namen nennen – Warum eine Vergewaltigung kein Sex ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Dec 2018 07:35:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[#metoo]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gewalt]]></category>
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		<category><![CDATA[nein heißt nein]]></category>
		<category><![CDATA[Vergewaltigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Leider müssen wir immer wieder erklären, warum Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kein Sex sind. Medienhäuser hoffen auf gute Klickzahlen, nehmen dabei bewusst oder unbewusst die Täter*innenperspektive ein und verharmlosen ganz nebenbei Straftaten. Wie die Hannoversche Allgemeine berichtete, wurde Mitte November in München eine 17-Jährige von einem vermeintlichen Taxifahrer vergewaltigt, am selben Wochenende wurde außerdem eine 22-Jährige in einem falschen Taxi sexuell &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leider müssen wir immer wieder erklären, warum Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kein Sex sind. Medienhäuser hoffen auf gute Klickzahlen, nehmen dabei bewusst oder unbewusst die Täter*innenperspektive ein und verharmlosen ganz nebenbei Straftaten.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie die Hannoversche Allgemeine berichtete, wurde Mitte November in München eine </span><a href="http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Taxifahrer-vergewaltigt-17-Jaehrige-in-Muenchen"><span style="font-weight: 400;">17-Jährige von einem vermeintlichen Taxifahrer vergewaltigt</span></a><span style="font-weight: 400;">, am selben Wochenende wurde außerdem eine 22-Jährige in einem falschen Taxi sexuell belästigt.</span></p>
<p><a href="https://twitter.com/gem_ev_/status/1062982223828271110"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-936" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/11/10_181115_TZ_Sex-Falle-Taxi-300x262.png" alt="Titelblatt der TZ München mit Schlagzeile &quot;Sex-Falle Taxi&quot;" width="800" height="698" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">&#8222;Sex-Falle Taxi&#8220; titelt hierzu die TZ München und banalisiert damit die Missbrauchsfälle, indem die Redaktion Vergewaltigung mit Sex gleichsetzt. Wir kritisierten das Titelblatt am 15. November auf Twitter und erhielten nach mehrfacher Nachfrage eine Antwort des offiziellen Accounts der TZ: </span></p>
<p><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1063395607442800641"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-959" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-300x49.png" alt="Tweet der TZ München: &quot;Wir haben deine Kritik an die Chefredaktion der Zeitung weitergegeben.&quot;" width="800" height="130" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-300x49.png 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-768x125.png 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-kurz-1024x167.png 1024w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als nach weiteren 10 Tagen keine weitere Rückmeldung erfolgt war, fragten wir erneut nach. Diesmal lautete die Antwort:</span></p>
<p><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1067008786374828032"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-987" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/12/Antwort-TZ-1-300x48.png" alt="Tweet der TZ München: &quot;Der Tweet von @gem_ev_ hat uns Kollegen in der Onlineredaktion erreicht. Wir können und werden nicht für die Zeitungskollegen sprechen. Daher die Bitte, direkten Kontakt zur Print-Chefredaktion aufzunehmen.&quot;" width="800" height="128" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Über den offiziellen Twitteraccount der TZ erreicht man die TZ also nicht. Zu dieser sinnvollen und hochprofessionellen Social-Media-Strategie kann man der TZ nur gratulieren (sie wäre zu diesem Zweck allerdings leider schlecht zu erreichen).</span></p>
<h3><strong>&#8222;Sex&#8220; als Synonym für Gewaltverbrechen</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Sex, Vergewaltigung, sexualisierte Gewalt, Zwangsprostitution und sogar Kindesmissbrauch scheinen für die TZ schon seit mehreren Jahren schwer auseinanderzuhalten zu sein. So titelte und twitterte sie im November 2016 über &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/798554201454510081"><span style="font-weight: 400;">Sex-Morde in Süddeutschland&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;">, im Juni 2016 von einem &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/745278316538699776"><span style="font-weight: 400;">Sex-Überfall in Vaterstetten&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;">, im Juli 2015 über Bill Cosby, er habe &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/618335970799300608"><span style="font-weight: 400;">Frauen mit Drogen betäubt, um mit ihnen Sex zu haben&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;">, im März 2009 über einen Menschenhändler-Ring, er habe &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1397438119"><span style="font-weight: 400;">Illegale zum Sex gezwungen</span></a><span style="font-weight: 400;">&#8220; und über einen pädophilen Sexualstraftäter, dass er sich &#8222;</span><a href="https://twitter.com/tzmuenchen/status/1350193163"><span style="font-weight: 400;">beim Sex mit seinen Kindern&#8220;</span></a><span style="font-weight: 400;"> gefilmt habe.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wird aus der Perspektive des Opfers berichtet, ist es schwer möglich, sexuelle Gewalt mit einvernehmlichem Sex zu verwechseln – es handelt sich um eine Gewalterfahrung. Durch die Vermischung und falsche Verwendung der Begriffe findet die Berichterstattung somit aus der Perspektive der Täter*innen statt, deren Befriedigung wird zum Ausgangspunkt und die Straftat wird sprachlich verharmlost. Hierbei wird unbewusst an ein generell problematisches Bild von Sexualität angeknüpft, insbesondere von weiblicher Sexualität, das davon ausgeht, dass Frauen prinzipiell eigentlich nie Sex haben wollen und Männer prinzipiell immer. Damit einher gehen dann Vorstellungen, Männer müssten Frauen &#8222;rumkriegen&#8220;, damit sie sie &#8222;ranlassen&#8220; – hierbei ist Sex folglich etwas, das die Frau gewissermaßen über sich ergehen lässt, um dem Mann einen Gefallen zu tun.</span></p>
<h3>Bitte keinen Widerwillen zur Schau tragen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese sehr traurige Annahme hielt auch der Bundesgerichtshof für plausibel und normal, als er </span><a href="https://opinioiuris.de/entscheidung/1659"><span style="font-weight: 400;">1966 in einem Urteil</span></a> <span style="font-weight: 400;">die Ansicht vertrat, Ehefrauen seien ihren Männern gegenüber zur </span><span style="font-weight: 400;">&#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Gewährung [von Geschlechtsverkehr] in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; verpflichtet, was aber noch nicht ausreichend sei: &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, daß sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt.</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; Sie wären des Weiteren nicht berechtigt, &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; und sollten &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">darauf verzichten, [ihre] persönlichen Gefühle in verletzender Form auszusprechen&#8220;</span></i><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zentral sollte also die Befriedigung des Mannes sein. Die Befriedigung der Frau fand nicht nur keine Erwähnung, ihr Verhalten wurde ausschließlich im Hinblick auf die Befriedigung des Mannes bewertet: </span>&#8222;<i>Denn erfahrungsgemäß vermag sich der Partner, der im ehelichen Verkehr seine natürliche und legitime Befriedigung sucht, auf die Dauer kaum jemals mit der bloßen Triebstillung zu begnügen, ohne davon berührt zu werden, was der andere dabei empfindet.</i>&#8220;</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Negative Empfindungen der Frau könnten also der &#8222;natürlichen und legitimen&#8220; Befriedigung des Mannes im Wege stehen und sollten deshalb überspielt werden. Das heißt im Klartext: Lächel doch mal!</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ausgehend von diesem fehlgeleiteten Bild von Sexualität ist es dann möglich, Vergewaltigung und einvernehmlichen Sex als die Enden eines Spektrums zu begreifen: Im schlimmsten Fall wehren sich Frauen mit Händen und Füßen, wenn es etwas besser läuft sagen sie halt nein aber wehren sich nicht, wenn es noch besser läuft protestieren sie nicht und tragen keine &#8222;Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau&#8220; und so weiter bis hin zum zufälligen Glücksfall, dass sie freundlicherweise bereitwillig mitmachen. Die Annahme, zwischen Sex und Vergewaltigung bestünde ein fließender Übergang, ermöglicht dann die Einbildung, es gäbe eine Grauzone: Nicht-einvernehmlicher Sex, der aber keine Vergewaltigung ist.</span></p>
<h3>Abwarten und Tee trinken?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Kann man ein Gerichtsurteil von 1966 als Teil seiner Argumentation zur Erklärung von gegenwärtigen gesellschaftlichen Missständen heranziehen? Ein berechtigter Einwand, schließlich wandelt sich unsere Gesellschaft rasant – schon 1997, also nur 31 Jahre später, war Vergewaltigung in der Ehe eine Straftat! Und heute, 52 Jahre später, sind wir doch sowieso alle viel weiter, oder?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In einem </span><a href="http://rockstardinosaurpirateprincess.com/2015/03/02/consent-not-actually-that-complicated/"><span style="font-weight: 400;">Blogbeitrag</span></a><span style="font-weight: 400;">, der später als animierter </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=oQbei5JGiT8"><span style="font-weight: 400;">Clip</span></a><span style="font-weight: 400;"> viral ging, vergleicht die britische Bloggerin Emmeline May Sex mit Tee: </span></p>
<blockquote><p><iframe loading="lazy" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/oQbei5JGiT8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p><span style="font-weight: 400;">&#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">If they say &#8218;No thank you&#8216; then don’t make them tea. At all. Don’t make them tea, don’t make them drink tea, don’t get annoyed at them for not wanting tea. They just don’t want tea, ok?&#8220; </span></i></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: 400;">John Oliver verglich in einer </span><a href="https://youtu.be/L0jQz6jqQS0?t=893"><span style="font-weight: 400;">Episode von Last Week Tonight</span></a><span style="font-weight: 400;"> Sex mit einem Boxkampf: &#8222;</span><i><span style="font-weight: 400;">Wenn einer nicht mitmachen will, begeht der andere ein Verbrechen.</span></i><span style="font-weight: 400;">&#8220; Konsens ist also relativ leicht zu begreifen: Nein heißt nein. Das stellt heute abgesehen von einigen zutiefst verwirrten Pick-Up-Artists auch niemand mehr infrage – es sei denn, man bewegt sich von &#8222;nein heißt nein&#8220; ein kleines Stück weiter und behauptet, &#8222;nur ja heißt ja&#8220;, wie es seit diesem Jahr in Schweden Grundsatz des Sexualstrafrechts ist.</span></p>
<h3>Konsens als Passierschein A38</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im deutschen Sexualstrafrecht wird Passivität als Zustimmung gewertet. Als in Schweden das Sexualstrafrecht reformiert wurde, übertrafen sich die deutschen Medien gegenseitig in der Suche nach der absurdesten mutwilligen Fehlinterpretation der neuen Gesetzeslage.  Seinen Sexpartner oder seine Sexpartnerin nach seinem oder ihrem Einverständnis zu fragen, wurde in der Berichterstattung als nahezu unerfüllbarer Akt ungeahnten bürokratischen Ausmaßes dargestellt – die schwedische Juristin Kristina Hatas hat für uns in einem </span><a href="https://genderequalitymedia.org/schwedische-botschaft-an-deutsche-medien-ja-sex-sollte-einvernehmlich-sein-ein-gastbeitrag-aus-schweden/"><span style="font-weight: 400;">Gastbeitrag</span></a><span style="font-weight: 400;"> die befremdlichen Auswüchse der Debatte zusammengefasst und eingeordnet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Treffend auf den Punkt gebracht wird die Schlagrichtung der deutschen Medien in zwei Satirevideos: In einem </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=G-T2EEOn5nM"><span style="font-weight: 400;">Clip</span></a><span style="font-weight: 400;"> der funk-Produktion </span><i><span style="font-weight: 400;">Bohemian Browser Ballet</span></i><span style="font-weight: 400;"> sammelt ein Paar rechtskräftige Beweise wie eine unterschriebene Einverständniserklärung und eine Urinprobe. In einem Monate später erschienen </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Td6nF7jXIik&amp;t=0s&amp;"><span style="font-weight: 400;">Sketch</span></a><span style="font-weight: 400;"> im heute-show-Sommerpausenfüller </span><i><span style="font-weight: 400;">Danke Deutschland</span></i><span style="font-weight: 400;"> des ZDF wird nach einem weitestgehend ähnlichen Skript die Rechtssicherheit durch notarielle Beglaubigung und Anwesenheit von Zeugen und einem Rechtsanwalt sichergestellt. Tenor ist also: Nach dem Einverständnis zu fragen macht die Stimmung kaputt und ist vollkommen überflüssig. In den Augen der Medienmacher*innen scheint die trennscharfe Differenzierung zwischen Sex und Vergewaltigung unhinterfragte Gewissheit, als wäre es gegebene Tatsache, dass sowieso niemand auf die Idee käme, mit jemandem ohne dessen Einverständnis Geschlechtsverkehr zu haben. Das ist leider nicht richtig.</span></p>
<h3>Ein Viertel der Deutschen findet Vergewaltigung manchmal okay</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im</span><a href="https://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/download/DocumentKy/75839"> <span style="font-weight: 400;">Spezial-Eurobarometer 449</span></a><span style="font-weight: 400;"> zu geschlechtsspezifischer Gewalt waren 27% aller befragten Deutschen der Meinung, &#8222;Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung&#8220; könne &#8222;unter bestimmten Umständen gerechtfertigt&#8220; sein, etwa wenn das Opfer betrunken ist, Drogen genommen hat, freiwillig mit jemandem nach Hause gegangen ist, &#8222;freizügige, provozierende oder sexy Kleidung&#8220; getragen hat, nicht deutlich “nein” gesagt oder sich körperlich nicht deutlich gewehrt hat, nachts alleine draußen herumgelaufen ist oder mehrere Sexualpartner hat. </span><a href="https://www.nytimes.com/2017/10/30/health/men-rape-sexual-assault.html"><span style="font-weight: 400;">Bei Befragungen von amerikanischen College-Studenten zu ihrem Sexualverhalten gaben Teilnehmer an</span></a><span style="font-weight: 400;">, sie hätten eine Partnerin &#8222;gegen ihren Willen penetriert&#8220;, gleichzeitig gaben sie an, &#8222;sowas wie eine Vergewaltigung&#8220; nicht begangen zu haben. In Vergewaltigungsprozessen sagen die Angeklagten häufig aus: &#8222;</span><a href="https://broadly.vice.com/en_us/article/qkg7y7/why-so-many-rapists-dont-realize-theyre-rapists"><span style="font-weight: 400;">Ich dachte, sie wollte es.&#8220;</span></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die nicht vorhandene Trennung zwischen einvernehmlichem Sex und Vergewaltigung ist also weiterhin relevant und hat schwerwiegende Konsequenzen. Die synonyme Verwendung der Begriffe ist mindestens fahrlässig. Wenn bei Sexualstraftaten statt von Belästigung und Vergewaltigung von &#8222;Sex&#8220; die Rede ist, sieht das auf der Titelseite zwar aufregend und ein bisschen skandalös aus und hilft möglicherweise, Verkaufs- oder Klickzahlen in die Höhe zu treiben. Aber durch die Vermischung der Begriffe wird zugunsten der Unterhaltsamkeit ein Gewaltverbrechen trivialisiert und verharmlost.</span></p>
<p>Von <a href="https://twitter.com/gewittergesicht">Vic Schulte</a></p>
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		<title>Body Talk &#8211; Spielt unsere Kritik dem Mediensexismus in die Hände?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Apr 2018 05:22:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[#Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer wieder wird uns vorgeworfen, wir würden Fotos weiter verbreiten, die wir eigentlich kritisieren. Kurz gesagt: Fotos von halbnackten Frauen in sexistischer Darstellung. Sollten wir zur besseren Kritik, genau diese Schlagzeilen und Fotos veröffentlichen? Oder wäre es besser, diese weg zu lassen, um die Verknüpfung von Überschrift und Bild, nicht noch weiter zu verbreiten? Sollten wir die Aufnahmen vielleicht sogar &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Immer wieder wird uns vorgeworfen, wir würden Fotos weiter verbreiten, die wir eigentlich kritisieren. Kurz gesagt: Fotos von halbnackten Frauen in sexistischer Darstellung. Sollten wir zur besseren Kritik, genau diese Schlagzeilen und Fotos veröffentlichen? Oder wäre es besser, diese weg zu lassen, um die Verknüpfung von Überschrift und Bild, nicht noch weiter zu verbreiten? Sollten wir die Aufnahmen vielleicht sogar zensieren, Körperteile also abschneiden oder verdecken? Auch bei uns im Team gibt es gemischte Meinungen dazu <span class="st">–</span> ein Pro/Contra-Kommentar von Rebecca und Lisa.</em></p>
<p><span id="more-533"></span></p>
<h3><strong><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-546 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-300x300.jpg" alt="" width="343" height="343" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-300x300.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-150x150.jpg 150w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-768x768.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk-1024x1024.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/04/Body-talk.jpg 1080w" sizes="(max-width: 343px) 100vw, 343px" /><br />
Lisa ist gegen eine Zensur:</strong></h3>
<p>Nur, wenn wir die Bilder unkommentiert teilen würden, trügen wir zur Verbreitung von Bilds traurigem Gedankengut bei. Wir müssen zeigen, was schief läuft, um Leute zu mobilisieren &#8211; und das geht am besten, wenn wir Schlagzeile und Bild gemeinsam präsentieren.</p>
<p><strong>Frauen = Sex?</strong></p>
<p>Wir teilen die Bilder auf Facebook und Twitter, um auf das Problem der medialen Sexualisierung von Frauen aufmerksam zu machen. Dabei haben wir die Bilder oder die abgebildeten Frauen selbst nie kritisiert. Und doch müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, ob wir auf die Kritik reagieren sollten, indem wir die Fotos zensieren. Aber was ist denn eigentlich auf den Aufnahmen zu sehen? Was ist das kritisierbare &#8211; was an den Bildern rechtfertigt eine Zensur?</p>
<p>Zu sehen sind Frauen &#8211; oder besser: Ihre Körper. Wir sehen Rücken, Hintern, Brüste oder einfach eine bestimmte Art von Körperhaltung. Sind weibliche Körperteile wirklich per se anrüchig, sodass man sie verstecken muss? Wir sehen Personen, die teilweise freiwillig, teilweise unfreiwillig in beruflichen oder auch Alltagssituationen fotografiert wurden. Zum Teil haben sie offensichtlich Freude an der Aufnahme, zum Teil wirken sie, als hätte man sie kalt erwischt. Ist vielleicht nicht die Abgebildete Person das Problem, sondern die Art und Häufigkeit des Abbildens? Und wurden wir nicht im Laufe unserer Sozialisation durch Zeitungen wie Bild daran gewöhnt, dass der weibliche Körper quasi gleichzusetzen ist mit „Sex“ und deshalb nicht in die Öffentlichkeit gehört?</p>
<p><strong>Körperteile sind nicht das Problem</strong></p>
<p>Die meisten Aufnahmen, die Bild und andere Medien verwenden, sind wahrscheinlich freiwillig entstanden. Was wir an ihnen kritisieren, ist nicht das Verhalten der abgebildeten Frauen, sondern ausschließlich die Art und Weise, wie und wie häufig Bild die Fotos präsentiert. Erstens: Bild berichtet viel seltener über Frauen als über Männer. Zweitens: Wenn Bild über Frauen berichtet, sind sie meist halbnackt und durch eine Schlagzeile sexualisiert und der Fokus des Berichts liegt auf ihrem Äußeren. Von dem starren Fokus auf weiße schlanke Frauen ganz zu Schweigen. Die problematischen Auswirkungen darauf, wie Frauen wahrgenommen werden, sind offensichtlich und durch verschiedene Studien belegt. Aber wenn wir die Bilder zensieren würden, entstünde dann nicht der Eindruck, das Problem sei nicht die Art der Abbildung, sondern der Körper der Frauen selbst?</p>
<p>Und wie verhält es sich mit Paparazzi-Fotos? Manche Aufnahmen sind unfreiwillig entstanden und die abgebildeten Frauen haben einer Veröffentlichung nie zugestimmt. Wir wünschen uns respektvolle und vielfältige Berichterstattung und wollen nicht, dass jede einzelne Alltagssituation als Clickbait benutzt wird. Wenn wir die Brüste oder Hintern aber verdecken, bringen wir damit unsere Kritik zum Ausdruck?</p>
<p><strong>Zensur und Scham</strong></p>
<p>Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, dass ich als Frau aufpassen muss, was ich mit meinem Körper tue. Schon früh wurde ich darauf hingewiesen, nicht so kurze Shorts zu tragen oder dass mein bauchfreies Oberteil andere Menschen aufregen könnte. In der Schule hatte ich viele Freundinnen, die gerne mit tiefem Ausschnitt herumliefen. Mehrmals bekam ich mit, wie meine Klassenlehrerin sie aufforderte, sich zu bedecken. Keiner meiner männlichen Klassenkameraden wurde jemals wegen seines Muskelshirts oder seiner kurzen Shorts kritisiert.</p>
<p>Es ist ein Ausdruck des Patriarchats, dass der weibliche Körper per se als etwas anrüchiges und stets sexualisierbares wahrgenommen wird. Als etwas, das versteckt oder gar „zensiert“ werden muss. Wenn wir von klein auf nackte weibliche Körper mit Sex verbinden, weil sie uns überall in den Medien auf diese Weise präsentiert werden, dann ist das ein Problem. Aber der weibliche Körper selbst ist niemals das Problem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_539" style="width: 587px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-539" class="wp-image-539" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-300x200.jpg" alt="Symbolbild für Sexismus in den Medien" width="577" height="384" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-300x200.jpg 300w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-768x512.jpg 768w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280-1024x682.jpg 1024w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/barbie-458618_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 577px) 100vw, 577px" /><p id="caption-attachment-539" class="wp-caption-text">Symbolbild: Denn Frauen* werden in den Medien immer wieder sexualisiert und objektifiziert.</p></div>
<h3></h3>
<h3><strong>Rebecca ist gegen das Zeigen und die Verbreitung der Fotos:<br />
</strong></h3>
<p>Nacktheit ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil, Menschen, die sich nackt (oder leicht bekleidet) zeigen, machen das oft, weil sie sich in ihrem Körper wohl fühlen, weil sie die Bewegungsfreiheit schätzen, gerne mit dem ganzen Körper Sonne tanken wollen, oder was auch immer. Und das ist super. Menschen aller Körpertypen sollten auf jeden Fall die Möglichkeit erhalten, ihren Körper so zu zeigen, wie sie es gerne tun. Wenn darum zu einer Meldung gehört, wie eine Person sich körperlich präsentiert – wir erinnern uns zurück an unseren <a href="https://www.stopbildsexism.com/2016/11/14/jennifer-rostocks-hengstin-nackt-im-kampf-gegen-sexismus/">Blogbeitrag über Jennifer Rostock’s Hengstin</a>– sollten wir dieser Selbstpräsentation weiterhin Raum geben.</p>
<p><strong>Abbildungen schaffen Normalität </strong></p>
<p>In den allermeisten unserer Screenshots steht allerdings nicht eine Person, ein Ereignis, ein künstlerisches Werk etc. im Mittelpunkt, sondern die Art, wie Medien darauf reagieren. Das bedeutet, wir arbeiten mit einem vorgefilterten Pool an Bildern: Denn die Menschen, die Medien gerne leicht bekleidet abbilden, sind zu einem großen Teil weiß, und fast ausschließlich schlank und cis-weiblich. Wo sie es nicht sind, wird gerade diese “Abweichung” entweder fetischisiert oder als Makel dargestellt (oder beides). Das schafft Normalität. Und die Normalität, die auf den Bildschirmen ankommt, ist: Menschen, die sich nackt zeigen können, sehen so aus. Und: Menschen, die so aussehen, sollten nackt gesehen werden. Für viele Lesende bedeutet das entweder: So, wie du aussiehst, solltest du dich nicht nackt zeigen. Oder: So, wie du aussiehst, ist dein Hauptkapital dein Körper.</p>
<p>Wir wissen, dass ein konstantes sich-Vergleichen mit unrealistischen Idealen mit vielen negativen Dingen korreliert: Zurückhaltung, den eigenen Körper zu benutzen (z.B. beim Sport), Selbstzweifel, Fokus des Selbstbilds auf körperliche anstatt von intellektuellen Eigenschaften. „Selbst-Objektifizierung“ wird sogar in Verbindung mit Dingen, wie Depression oder Drogenkonsum gebracht. Weil der menschliche Geist keine Maschine ist, gibt es keine einfache Gleichung, die besagt, „Fünf Bilder von Frauen, die fünf Kilo leichter sind als du, erhöht den Tabakkonsum um drei Zigaretten die Woche.“</p>
<p><strong>Mehr Vielfalt muss her</strong></p>
<p>Aber: So lange wir im Ausgleich keine vergleichbare Anzahl von Bildern anderer Körpertypen liefern, werden wir zu der Normalität „nackt zu zeigen = schlank, weiß, weiblich“ beitragen. Und warum soll das nötig sein? Dass das Bild einer Person betitelt wird mit „Wem gehören diese Kokosnüsse“ oder „Achtung, heiße Kurven“ – dass das nicht okay ist, lässt sich auch erklären, ohne jedes Mal das Bild anzuhängen. Eine Erklärung wie „ein Strandbild von Celebrity X wird betitelt mit …“ tut es genauso. Dabei bin ich natürlich ausdrücklich nicht dafür, Bilder zu zeigen, und dabei bestimmte Körperregionen z.B. mit einem Balken zu verdecken. Dadurch würde sehr wahrscheinlich nur der Eindruck entstehen, dass Brüste, Po oder andere Körperteile von Frauen etwas sind, das versteckt werden muss.</p>
<p>Ich bin außerdem auch nicht dafür, dass wir gänzlich auf die Wiedergabe von kritikwürdigen Bildern verzichten. Wo es darum geht, Muster aufzuzeigen – z.B. bei der Zusammenstellung von Frauenbildern, denen der Kopf abgeschnitten wurde, oder die unnötig auf die Brust fokussieren – da kann und soll das Bildmaterial natürlich weiterhin genutzt werden. Aber vielleicht müssen unsere Follower nicht schon beim Scrollen durch unseren Twitterfeed mit denselben einseitigen Bildern bombardiert werden, wie alle anderen Medien sie auch liefern.</p>
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		<title>Marcel dem seine Frau &#8211; die Frauen, die Huren, und die Politikerinnen der Bild</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Mar 2018 10:45:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei der BILD sind Frauen* alles &#8211; nur keine selbstständigen Personen. Die Minister_innen von Söders Kabinett sind nun bekannt. Die neue Ministerin für Wissenschaft heißt Marion Kiechle. Für die Bild-Redaktion ist sie dennoch einfach nur eins: Die Frau von Marcel Reif. Sewsan Chibli war bis Dezember 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, seitdem ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><i>Bei der BILD sind Frauen* alles &#8211; nur keine selbstständigen Personen. Die Minister_innen von Söders Kabinett sind nun bekannt. Die neue Ministerin für Wissenschaft heißt Marion Kiechle. Für die Bild-Redaktion ist sie dennoch einfach nur eins: Die Frau von Marcel Reif. </i></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-519 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/180322_BILD_Besitz-284x300.jpg" alt="" width="319" height="337" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Sewsan Chibli war bis Dezember 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, seitdem ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Bei der Bild dennoch: “Müllers Neue”, obwohl eigentlich als Staatssekretärin die neue rechte Hand von Berlins Bürgermeister Michael Müller. “Syriens First Lady”, Asma Al-Assad, ungeachtet der politischen Ausrichtung, auch nur die “dreifache Mutter”.</span><br />
<span style="color: #000000;"> <img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-522" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/müllers-neue-kein-name-300x289.png" alt="" width="270" height="260" />                           <img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-525 alignnone" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/asma-al-assad-300x262.jpg" alt="" width="302" height="264" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Und vergessen wir nicht, dass sogar der Tod der Politologin und Journalistin Sylke Tempel der Bild nur eine Nachricht wert war, weil sie zur “Gabriel-Freundin” erklärt werden konnte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-526 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dsdsdfsf-300x212.jpg" alt="" width="373" height="263" /></span><br />
<span style="color: #000000;"> <!-- oh shit danke --></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Diese Herangehensweise schockiert viele, gerade wenn es um Politiker_innen geht. Dabei ist die Denkweise, die dahinter steckt nichts neues bei der Bild. Nur, wenn es um “andere” Frauen geht, fällt es den Leuten gar nicht mehr auf. Models, Erotikdarstellerinnen, Prominente &#8211; die sind Freiwild und ja, irgendwie gehört es ja auch zu ihrem Job oder? “Spieler-Frau”, “Götze-Freundin”, das sind Titel, die schäbig klingen, wie Anhang, aber viel Empörung kommt hier nicht auf.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-524 alignnone" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/Bild_11012017-300x296.png" alt="" width="235" height="232" /><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-523" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/Screenshot-300x234.png" alt="" width="300" height="234" /><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-520" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/boah_preview-300x286.png" alt="" width="242" height="231" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Gerade die Frauen und Freundinnen von Profi-Sportlern müssen hier viel aushalten. Letztendlich sind Frauen* eben nur Ware &#8211; je mächtiger bzw. prominenter die Männer, desto austauschbarer ihre Frauen. Wenn man erklären muss, wer sie sind, dann sind sie zuerst die Mutter, Tochter, Frau oder Freundin, dabei fängt es früh an, dass sie, auch gegen ihren Willen als Sexobjekte präsentiert werden. Der “Nachwuchs” steht, ob er will oder nicht, schon längst in den Startlöchern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-521 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/töchter_preview-300x95.png" alt="" width="388" height="123" /></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Letztendlich müssen wir aber gar nicht viel interpretieren. Die Bild Redaktion hat es ja selber schon mal ganz gut zusammengefasst: “Diese Frauen”, ja, die sind “selbst schuld”. Als wir Ralf Schuler, Mitglied der Bild-Parlamentsredaktion, für einen respektlosen Post zum Aussehen einer Prominenten kritisierten, hat er wohl mal kurz nicht aufgepasst und es uns selbst so erklärt:</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-502 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg" alt="" width="290" height="408" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg 213w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler.jpg 681w" sizes="(max-width: 290px) 100vw, 290px" /></span><br />
<span style="color: #000000;"> “Nicht unser Problem” meint Herr Schuler also &#8211; dabei sind Frauen täglich davon betroffen, dass wir nur in Beziehung zu Männern gesehen werden. Vom Kindergartenalter an sind Geschichten, in denen männliche Protagonisten auftauchen “für alle” gedacht, während Protagonistinnen, wenn überhaupt, nur in ausgesprochenen “Mädchenbüchern” auftauchen. Schulen mischen sich darin ein, was Mädchen anzuziehen haben, weil sie angeblich eine Ablenkung für ihre männlichen Kollegen oder sogar ihre Lehrer darstellen. Im Berufsleben wird von vielen Frauen erwartet, einen schmalen Grat zwischen “als attraktiv genug wahrgenommen, um professionell zu sein” und “zu attraktiv und damit schon wieder unprofessionell” zu treffen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Es ist ein riesiger Fortschritt zu erkennen, wie die Anzahl der Menschen steigt, die nicht mehr hinnehmen wollen, dass Frauen mehr als Objekt denn als Subjekt gelten. Uns wäre es ein Anliegen, in diesem Kontext aber vielleicht noch einen Schritt weiterzugehen, und genauso empört zu sein, wenn Reality TV Frauen*, Models, oder ja, auch Frauen* die es wagen eine Beziehung zu Sportlern zu haben, so behandelt werden. Dann wäre der nächste Schritt nämlich, darüber nachzudenken, wie wir selbst noch, ganz unterbewusst, da auch schon ein bisschen trennen. Und diese Selbsterkenntnis wäre ein kleines Stück Revolution.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Rebecca &amp; Penelope</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn Redaktionen Frauen* hassen: Von &#8222;die Frauen sind selbst schuld&#8220; zu angezogenen Bild-Girls</title>
		<link>https://genderequalitymedia.org/von-angezogenen-bild-girls-und-einer-redaktion-die-sich-warm-anziehen-muss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Britta Häfemeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Mar 2018 09:36:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
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					<description><![CDATA[In der BILD-Zeitung wird es ab jetzt keine nackten Bild-Girls mehr geben. Kurz nach Veröffentlichung dieses Statements (und den ersten “erotischen” Bildern einer nicht ganz nackten Frau) ging ein Blitz durch die Social Media Bubbles &#8211; hat die 2014 gegründete Kampagne #StopBILDSexism nun ihr Ziel erreicht? Ist die BILD jetzt weniger sexistisch? Setzt da etwa wirklich ein Kulturwandel ein? Hier &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><i>In der BILD-Zeitung wird es ab jetzt keine nackten Bild-Girls mehr geben. Kurz nach Veröffentlichung dieses Statements (und den ersten “erotischen” Bildern einer nicht ganz nackten Frau) ging ein Blitz durch die Social Media Bubbles &#8211; hat die 2014 gegründete Kampagne #StopBILDSexism nun ihr Ziel erreicht? Ist die BILD jetzt weniger sexistisch? Setzt da etwa wirklich ein Kulturwandel ein? Hier unser Rückblick auf den krassen Sexismus der Bild, den ersten backlash zu #StopBildSexism, und warum wir jetzt erst recht weiter fordern müssen.<br />
</i></span></p>
<p><span style="color: #000000;">So so, die BILD, Europas auflagenstärkste Zeitung, will ab dem 12. März 2018 “keine eigenen Oben-ohne-Produktionen von Frauen mehr zeigen” und kommentiert diesen Schritt selbst mit: “Männer, ihr müsst jetzt ganz stark sein.” Zur Begründung schreibt die Zeitung, dass man das Gefühl habe, Frauen würden den Anblick anderer nackter Frauen “kränkend oder herabwürdigend” empfinden. Dabei, so BILD, sollten die nackten Frauen doch unterhalten. Und sowieso, alle nackten BILD Girls hätten sich absolut freiwillig für die Zeitung ausgezogen. Nun soll also ein zeitgemäßer Stil her: erotische Bilder soll es weiterhin geben, aber die BILD gelobt nun “vorsichtiger, nachdenklicher” zu sein bei der Auswahl der Bilder. Erotische Bilder von Frauen (in dem selbsternannten journalistischen Medium) BILD-Zeitung komplett abschaffen? Das scheint der Redaktion zu weit zu gehen, immerhin sei erotische Fotografie eine Errungenschaft freier Gesellschaften. Genauso wie darüber streiten zu können. Die Kampagne #StopBILDSexism &#8211; wie auch viele andere feministische Organisationen und Einzelpersonen &#8211; hat sich immer entschieden gegen die Darstellung nackter Frauen in journalistischen Medien ausgesprochen, immer aber auch darauf hingewiesen, dass das sogenannte BILD-Girl nicht allein für den Sexismus der BILD-Zeitung steht, sondern beispielhaft für die gesamte sexistische und verzerrende Berichterstattung der Boulevardzeitung ist.</span></p>
<h3><span style="color: #000000;"><br />
Boom boom Baby &#8211; Sexualisierung Minderjähriger und Frauen* als Sexobjekt<br />
</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"><a href="https://www.stopbildsexism.com/die-bild-studie/">In der 2017 veröffentlichten BILD-Studie</a> von #StopBILDSexism wird dies mit klaren Zahlen belegt. Während im Unterhaltungsressort etwa 50% der Berichterstattung auf Frauen entfällt, waren es im Wirtschafts- und Politikteil nur knapp 25%. Beim Sport waren es mit etwa 15% sogar noch weniger. Insgesamt betrafen nur 35% der Berichterstattung von BILD Frauen. Anders sieht die Verteilung bei der Darstellung nicht angezogener Personen aus. Hier sind Frauen unangefochten mit 64% in der Mehrheit. Und das ausgerechnet im Unterhaltungsressort, also dem Teil der Zeitung der nicht zum allergrößten Teil auf Männer entfällt. Auch ganz ohne BILD-Girl wird der Sexismus der Zeitung offenbar: Frauen und ihre Leistungen sind in allen Ressorts der Zeitung unterrepräsentiert. Frauen, die auf ihre Körper reduziert werden, sind stattdessen weit in der Überzahl.<br />
</span><span style="color: #000000;">Je weiter man an dieser Stelle ins Detail geht, desto mehr Abgründe tun sich auf. So schockiert die BILD-Zeitung immer wieder auch mit der <a href="https://www.stopbildsexism.com/2016/11/04/bum-bum-baby-wie-gro%C3%9F-du-geworden-bist/">Sexualisierung Minderjähriger.</a> Seien es die “gefährlich heißen Kurven” einer Siebzehnjährigen oder die Darstellung junger Frauen als lediglich schön anzusehende Deko, der Sexismus steckt bei der BILD nicht im Detail, sondern auf allen Seiten. Das gilt auch abseits der grafische Ebene, in den Texten der BILD. Unzählbar sind die Beispiele, der<a href="https://www.bild.de/unterhaltung/leute/david-garrett/sex-klage-gegenueberstellung-der-vorwuerfe-46186744.bild.html"> “Sex-Dramen”</a>, in denen es eigentlich im Vergewaltigung geht, oder der <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-06/sexismus-vergewaltigung-luder-medien-sprache-boulevardpresse">“Luder-Geschichten”</a>, in denen Frauen um ihre selbstbestimmte Sexualität beraubt und der Öffentlichkeit als willenlose Objekte präsentiert werden.</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-510 aligncenter" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/safs-300x289.jpg" alt="" width="480" height="462" /></p>
<h3><span style="color: #000000;"><br />
Zieh dich doch einfach selbst aus &#8211; bisherige Reaktionen der Bild<br />
</span></h3>
<p><span style="color: #000000;">Die Redaktion der BILD-Zeitung übt Macht aus, jeden Tag. Indem sie entscheidet wer zu Wort kommt, wer in welcher Art und Weise sprechen, eine Botschaft verbreiten darf. Frauen sind dabei stark unterrepräsentiert. Sie erhalten weniger Möglichkeiten sich, ihre Lebensleistungen (siehe z.B. Sport) zu präsentieren, oder über Wünsche und Visionen zu sprechen. Stattdessen werden sie in der bildlichen Darstellung auf ihre Körper reduziert und in der Berichterstattung zu Objekten gemacht. Ist die Abschaffung des BILD-Girls nun also wirklich der Vorbote eines Kulturwandels bei Deutschlands größter Boulevard-Zeitung? Auch mit vorsichtiger Prognose muss das bezweifelt werden.<br />
Als Kristina Lunz vor drei Jahren die Petition startete, aus der StopBildSexism enstand, war Kai Diekmanns Reaktion, damaliger Chefredakteur der BILD, Kristina zu fragen ob sie nicht auch BILD-Girl werden will. Ralf Schuler, Mitglied der Bild-Parlamentsredaktion, gab damals schon zu die Frauen* die sich nackt zeigten, zu verachten. Auf die Frage wieso wieder eine erniedrigende Schlagzeile benutzt wurde, hierß es nur: &#8222;die Dame ist selbst Schuld.&#8220;<br />
</span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-506 alignnone" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dieki-165x300.jpg" alt="" width="345" height="627" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dieki-165x300.jpg 165w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/dieki.jpg 469w" sizes="(max-width: 345px) 100vw, 345px" /><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-502" src="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg" alt="" width="436" height="614" srcset="https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler-213x300.jpg 213w, https://genderequalitymedia.org/wp-content/uploads/2018/03/ralf-schuler.jpg 681w" sizes="(max-width: 436px) 100vw, 436px" /></p>
<p><span style="color: #000000;">Mit dem Wechsel in der Chefredaktion von Tanit Koch zu Julian Reichelt, hat sich der<a href="http://www.bildblog.de/73215/der-bild-mann-und-wir-brandstifter/"> Ton der Zeitung noch einmal verschärft.</a> Letztere bezeichnete die Aktivist*innen von #StopBILDSexism damals als “Selbsthilfegruppe” und sprach ihr damit das Recht und die Legitimität als produktive Kritik ab. </span><span style="color: #000000;">Wird sich das mit Julian Reichelt ändern? Wohl kaum. Denn im heutigen Statement wird die neue Richtung der BILD klar &#8211; erotische Bilder werden nun nicht mehr nur mit dem Willen der zumeist männlichen Leser gerechtfertigt, sondern gar mit der Meinungsfreiheit liberaler Gesellschaften verbunden. </span></p>
<h3>Jetzt erst recht</h3>
<p><span style="color: #000000;">Die Reaktion der BILD basiert sicherlich nicht auf einem neu gewonnen Verständnis was Sexismus anbelangt. Vielmehr ist dieser, auch noch so kleine Wandel, der Beweis dafür, was sich gerade gesellschaftlich verändert. Der öffentliche Druck durch Kampagnen und die Debatte um #metoo machen es immer schwerer die Degradierung von Frauen* zu legitimieren. Im Statement der BILD steht:<br />
</span></p>
<h4><span style="color: #000000;">“Aber natürlich dienen diese Fotos einem Hauptzweck. Sie sollen unterhalten, und zwar meistens Männer. Wir bei BILD glauben nicht, dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte (und natürlich auch nicht umgekehrt). Deswegen werden wir solche Fotos auch nicht mehr produzieren.” </span></h4>
<p><span style="color: #000000;">Der eigentliche Gewinn ist daher vielleicht nicht nur die Tatsache, dass es bald keine komplett nackten BILD-Girls zu sehen gibt. Sondern Zugeständnisse, welche die BILD nun öffentlich machen muss, denn Aussagen wie diese die zeigen, dass auch die BILD den gesellschaftlichen Wandlungsprozess nicht weiter ignorieren kann. Vielleicht stellt sich sogar allmählich ein Bewusstsein für das eigene Handeln ein. </span><span style="color: #000000;">Trotzdem ist das BILD-Girl nicht das Hauptproblem der BILD und wir werden sicherlich auch kein Abo abschließen. Denn auch ohne nacktes Bild-Girl produzieren Reichelt &amp; Co. täglich Sexismus und Rassismus. Und wir werden so lange weitermachen, bis eine Vergewaltigung nicht mehr “Sex-Skandal” genannt wird, bis alle Geschlechter endlich ernst genommen werden und bis niemand mehr diskriminiert wird. #StopBILDSexism macht weiter. Jetzt erst recht! </span></p>
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